Die letzte schussfahrt: wo die krönung und das tränenfinale drohen

Es riecht nach Kälte, nach Schmelze, nach Adrenalin. Die Wintersport-Saison jagt sich selbst. Noch sechs Tage, dann ist Schicht im Schacht. Wer jetzt nicht tritt, verliert nicht nur Punkte, sondern das ganze Jahr. Hafjell und Planica sind die letzten Schauplätze, auf denen Helden sich verabschieden und Neue sich einen Namen schreien.

Hafjells doppelschicht: slalom und riesenslalom in 24 stunden

Morgen früh, 9.30 Uhr Norwegen-Zeit, geht's los. Die Männer im Riesenslalom, eine Stunde später die Frauen im Slalom. Dann rollt der Karussell ohne Pause weiter. Emma Aicher, frisch gebronzt in der Super-G-Wertung, könnte sich mit einem Slalom-Podium auch in der Gesamtwertung noch vorne festhaken. Die 22-Jährige aus dem Oberallgäu sagt nicht viel, aber wenn sie fährt, knirscht es im Eis. Ihre Kante ist scharf, ihre Linie geradlinig. Die Konkurrenz schaut nicht auf die Uhr, sie schaut auf Aicher.

Die Männer haben andere Sorgen. Linus Straßer braucht Punkte wie Luft, sonst rutscht er aus den Top-30. Dabei ist er derzeit schneller als seine Platzierung vermuten lässt. Die Strecke in Hafjell ist lang, technisch, mit einem Finish, das die Oberschenkel verbrennt. Wer hier in der letzten Toreinfahrt noch zündet, gewinnt. Wer zögert, fliegt raus. Kein Mittelmaß erlaubt.

Planica wird zur sprungschleuder: vierschanzen-tour in minikosmos

Planica wird zur sprungschleuder: vierschanzen-tour in minikosmos

Am Freitag fliegt der Adler. 15 Uhr, Planica, die grüne Flugbahn. Die Männer starten ins Letzte. Kein Training zählt mehr, nur noch der Sprung. Stefan Kraft will die Gesamtweltcup-Kugel sichern, Karl Geiger will sich versöhnlich verabschieden. Die Frauen springen am Samstag, und sie haben nichts zu verschenken. Katharina Althaus schielt auf den Gesamtsieg, Selina Freitag auf die Rechnung mit Sagen, die sie in der Vorsaison offen ließ.

Die Schanze ist riesig, die Flugkurve atemberaubend. Wer hier die richtige Anstellung findet, fliegt 250 Meter weit. Wer sie verpasst, landet im Niemandsland. Die Slowenen feiern ihre Flugkünstler wie Popstars. Die Deutschen wollen morgens den Pokal holen und abends noch einmal abheben.

Am Sonntag, 10 Uhr, ist Endstation. Dann fällt der Vorhang über die Saison 2024/25. Die, die gewonnen haben, werden feiern. Die, die verloren haben, werden schweigen. Und die, die dazwischen stehen, werden sich fragen, warum der Winter immer so schnell vorbei ist.