Die dfl schläft: 69, 77, 88 – rückennummern jenseits von 49 sind längst realität

65, 69, 77 – im Spielberichtsbogen stehen sie, auf dem Rasen nicht. Die DFL hat eine klare Regel: maximal 49. Doch die Realität lacht darüber. Beim 0:2 von Freiburg in Frankfurt saß Karl Steinmann mit der 65 auf der Bank, Rouven Tarnutzer trug sogar die 69. Beide sind keine Superstars, sondern Zweitliga-Kicker, die der SC für den Bundesliga-Kader gemeldet hat. Der Trick ist so alt wie die Regel selbst.

Paragraf 4, absatz 7 – ein papier tiger

Offiziell heißt es: „Nur die Nummern 1 bis 49 dürfen vergeben werden, wobei die Nummer 1 einem Torhüter vorbehalten ist.“ Doch sobald 49 Trikots vergeben sind, öffnet die Liga ein Ventil. Die Klubs melden Spieler der zweiten Mannschaft neu, rutschen nach oben, die 50er-Zone wird zum rechtsfreien Raum. Die DFL drückt ein Auge, weil sie muss – sonst müsste sie Spieltage absagen.

Andreas Görlitz lief 2007/08 mit der 77 für den Karlsruher SC auf, Erencan Yardimci trug 2023 die 53 für Hoffenheim. Die 77 galt lange als Rekord, doch die 88 bahnt sich an – und die ist politisch brisant. Denn „HH“ steht im rechten Milieu für „Heil Hitler“. Die DFB-Broschüre „Gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung“ warnt eigens davor. Bayern hat die 88 per Satzung verbannt, Berlin lehnte ein Verbot ab. Der Spielausschuss tagt erneut am Donnerstag – ohne dass eine Einigung in Sicht ist.

Niedrige nummern werden zur belastung

Niedrige nummern werden zur belastung

Während manche Klubs in den 80ern wildern, scheuen andere schon die 10. Sie wird freigehalten, falls ein neuer Spielmacher kommt. Die 12 ist bei vielen Vereinen tabu – „für den zwölften Mann“, die Fans. Der FC Bayern hat die 5 nach Franz Beckenbauer für immer aus dem Verkehr gezogen. Symbolik vor Regelwerk.

Die Zahlen lügen nicht: Inzwischen tragen 14 Prozent der Bundesliga-Kader Nummern jenseits von 49. Der Trend steigt, weil Nachwuchs- und Lizenzspieler sich vermischen. Die DFL diskutiert seit Jahren über eine Lockerung auf 99, blockiert aber aus Imagegründen. Dabei ist das Pferd längst aus dem Stall – und trägt die 88.