Di francesco zerreißt rom in stücke – und seine eigene mannschaft gleich mit
„Wir müssen ihnen wehtun.“ Kein einziges Mal sagt Eusebio Di Francesco Roma, er sagt wunden. Das ist kein Slip, das ist Programm. 48 Stunden vor dem Duell mit seinem Ex-Arbeitgeber liefert der Lecce-Coach eine Pressekonferenz ab, die klingt, als hätte jemand das Skript eines Rache-Thrillers verlesen.
Sottil raus – und mit ihm die letzte lüge
Der Befund kommt ohne Umschweife: Riccardo Sottil fällt aus, Saison Ende. „Er hat angehalten, um sich selbst zu reparieren“, sagt Di Francesco, klingt dabei wie ein Mechaniker, dem ein Zahnrad zu Bruch ging. Mit 19 Feldspielern im Kader droht Lecce in die personelle Schieflage zu rutschen, die schon vor Wochen begann. Die Reduktion auf Zahlen wirkt bewusst – 19 statt 25 ist kein Kader, das ist ein Notverband.
Die Lösung für die Coulibaly-Lücke nennt er wie einen Würfel: Gandelman oder Fofana. Wer spielt, bestimmt die Gehirneingänge der Roma. Gandelman durfte diese Woche durchlaufen, ohne dass das Knie nachgab – für Di Francesco ein Signal, „dass er wieder der wird, den wir kannten“. Fofana wiederum ist der Joker mit dem Turbo in den Oberschenkeln. Die Entscheidung fällt erst zwei Stunden vor Anpfiff. Rom muss raten.

Malen – das gespenst im olimpico
Dybala fehlt, Soulé fehlt, doch Di Francesco schielt nicht zurück, er schaut nach vorn – auf Donyell Malen. „Er ist ein wenig der Hojlund der Roma“, sagt er und versetzt damit die Berichterstatter in ein Raunen. Der Vergleich mit dem dänischen Rasenmäher von Manchester United ist kein Kompliment, es ist eine Kampfansage. Malens Tiefe nimmt kein Verteidigungspolizist mit bloßem Auge war, erst recht nicht nach 70 Minuten Europa-Druck.
Die Statistik steht auf seiner Seite: In den letzten beiden Partien kassierte Lecce den Gegentreffer in der ersten Minute nach Wiederanpfiff. Di Francesco nennt das „Dinge, die du nicht steuern kannst“. Dabei kann er sie sehr wohl steuern – mit Sprintwerten, die in der Pause auf dem Tablet explodieren.

60 000 Gegen 19 – die mathematik des zorns
Im Olimpico warten 60 000, die seit dem Aus in der Europa League nur noch eine Sache wollen: jemanden zerreißen. Di Francesco kennt die Sehnsucht, er war einmal der Held der Curva Sud. „Der Fan ist wütend, aber bereit, seine Mannschaft zu tragen“, sagt er. Daraus bastelt er keine Psycho-Masche, sondern eine taktische Lücke. „Wenn sie schreien, verlieren sie Atem. Wir müssen sie noch weiter laufen lassen.“
Cheddira trainiert trotz Ramadan, Stulic spült sich mit Eiswasser durch die Kälte. Das Duell der beiden ist offen, bis der Ball rollt. Di Francesco wird nicht sagen, wer beginnt – er will, dass die Roma es errät.

Der große plan: rom zwingen, sich selbst zu schlucken
„Wir brauchen etwas Unglaubliches“, sagt er, und meint damit keine Einzelleistung, sondern eine kollektive Raserei. Lecce will nicht punkten, Lecce will die Roma-Fassade einreißen, die seit sieben Spielen bröckelt. Di Francesco spricht von „Spielzügen, die sie verletzen“, von „Lücken, die nur entstehen, wenn sie zweifeln“. Es klingt, als hätte er die Roma-Analysen schon vor Wochen versenkt.
Nach 90 Minuten will er nicht gefeiert werden, er will dasselbe Gesicht zeigen wie damals, als er die Giallorossi verließ: entschlossen, unversöhnlich, mit dem Blick, der sagt: Ich kenne eure Geheimnisse. Und jetzt benutze ich sie gegen euch.
Die Zahlen sind gnadenlos: 19 gegen 25, 0 Punkte aus den letzten zwei Spielen, 60 000 Feinde. Aber Di Francesco lacht nicht über Statistiken, er frisst sie. Und wenn das Spiel pfeift, wird er wieder der sein, der einst in Rom für Jubel sorgte – nur diesmal auf der gegnerischen Bank. Dann zählt nur noch eine Zahl: die Minuten, bis die Curva verstummt.
