Dhb zögert, gislason wartet: diese entscheidung tickt gegen die wm-uhr
Der Deutsche Handballbund hat seine Hausaufgaben gemacht, die EM-Analyse liegt auf dem Tisch – nur über die Frage, wer künftig auf der Bank sitzt, schweigt der Verband. Alfred Gislason will weitermachen, der DHB will sich nicht festlegen. Noch nicht. Das Spiel mit der Zeit läuft, und die Uhr tickt lauter als allen Beteiligten lieb ist.
Warum ingo meckes die bremse zieht
Sportvorstand Ingo Meckes sprach am Donnerstag in Dortmund von einem „gut überlegten Prozess“. Das klingt nach Strategie, ist aber vor allem eins: Risikomanagement. Ein Monat vor WM-Beginn ohne Trainerklarheit? Undenkbar. Zwei Monate? Brandgefährlich. Deshalb das Bekenntis: „Es wäre schlimm, wenn wir einen Monat oder zwei Monate, bevor die WM startet, keine Klarheit hätten.“ Die Heim-WM 2027 rückt näher, der Druck wächst – nur den Begriff „unmittelbarer Druck“ verbietet sich der Verband selbst.
Gislason selbst wirkt wie der ruhigste Mann im Raum. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich erst einmal nicht aufhören möchte“, sagt der Isländer, seit 2020 an der DHB-Spitze. Sein Vertrag endet mit dem Finale der WM 2027. Danach? Offen. Er wird nicht bitten, er wird warten. Und er wird akzeptieren, was immer Meckes und Co. entscheiden.

Zwei medaillen, ein offener thron
Die Bilanz des 65-Jährigen stützt seinen Anspruch: Silber in Paris 2024, EM-Zweiter 2025 – beide Male gegen Dänemark, beide Male mit dem Gefühl, dass mehr drin war. Die Mannschaft spielt für ihn, das System steht. Trotzdem: Der DHB wägt „alle Möglichkeiten ab“, wie Meckes betont. Interne Kandidaten? Externe Impulsgeber? Ein harter Schnitt nach der WM? Alles offen. Nur eins ist sicher: Je länger die Unsicherheit dauert, desto größer wird das Medialecho – und desto kleiner der Spielraum für eine echte Neuaufstellung.
Vor der Partie gegen Afrikameister Ägypten in der Westfalenhalle steht die Nationalmannschaft vor einem Nebenschauplatz. Die Fans singen „Alfred“ – aber sie wissen: Zwischen Rückhalt und Rücktritt liegt nur ein einziger schlechter Lauf. Die nächsten Monate entscheiden über mehr als nur eine Vertragsverlängerung. Sie entscheiden über die Richtung des deutschen Handballs bis 2030.
Der Isländer wartet, der Verband zögert, die Uhr tickt. Wer zuerst blinkt, verliert.
