Deutschlands biathlon-blamage: 64 rennen, kein sieg – voigt spuckt gift
Oslo – 64 Weltcup-Rennen, kein einziger Sieg. Deutschland steht am Holmenkollen vor der sportlichen Schmach, und selbst die sonst so diplomatische Vanessa Voigt platzt der Kragen. „Das sollte drin sein für eine Biathlon-Nation wie Deutschland“, feuerte die 28-Jährige nach ihrem 16. Platz im Sprint mit sichtlichem Ekel ins ZDF-Mikro. Kein Armutszeugnis, sondern ein Klagemauerwerk.
Material, schießen, mindset – alles rappelt
Voigt lieferte sich selbst ab. Eine liegende Strafe, Ski ohne Feedback, Strecke ohne Rhythmus. „Ich habe mich nicht wohlgefühlt“, sagt sie, und man hört das Quietschen der Seelen. Die Konkurrenz zieht vorbei, Deutschland schaut zu. Die Nationenwertung mag noch vor Finnland sicher sein – tröstet niemanden mehr.
Die Zahlen sind brutaler als jede Schulnote. Sieben Podestplätze in fast zwei Dritteln einer Saison, das reicht sonst nur für mediokre Skandinavier, nicht für den Anspruch, den der Deutsche Skiverband jahrzehntelang in die Welt posaunte. Dabei hatte jeder dieselbe Eisdecke unter den Fellen, dieselben Windstöße auf der Schießbahn. „Eine Einstellungssache“, kontert Voigt und schiebt dem gesamten Apparat den Dolch zwischen die Rippen.
Die Konsequenz: Erstmals seit der Einführung der Weltcup-Erfolgsstatistik droht Deutschland die komplette Saison ohne einen einzigen Sieg. Kein Herren-Sprint, kein Damen-Staffel-Coup, kein混合-Relais-Wunder. Die letzte deutsche Triumphfahrt datiert vom März 2025, damals noch mit Denise Herrmann-Wick und einem Sprint-Hattrick in Tyumen. Seitdem: Leere, Angst, Selbstzweifel.

Dsl-läufer zittern, coachs schwurbeln
Intern brodelt es. Athleten sprechen von „Weichenstellungen“, was bei DSL immer bedeutet: Wir wissen selbst nicht, wo der Knopf zu drehen ist. Technikdirektor Mark Kirchner hatte vor zwei Wochen versprochen, „die richtige Antenne“ für Oslo zu finden. Die Antenne ist offenbar abgebrochen. Die Skispeed-Kurve stagniert, die Schießquote bröckelt, die Psyche schlittert hinterher.
Und die Konkurrenz? Frankreichs Julia Simon feierte gestern ihren zweiten Saisonsieg, Schweden um Elvira Öberg schraubt sich von Rennen zu Rennen. Selbst die sonst läuferisch limitierten Italienerinnen schießen sich in Spitzenpositionen. Deutschland dagegen verharrt in der grausamen Normalität: Start, Schießen, Verfolgung, Enttäuschung.
Für Voigt persönlich bleibt beim Saisonfinale nur noch die Schadensbegrenzung. „Ich will nicht jammern, aber…“ – das Aber folgt unweigerlich. Die Athletin, die vor zwei Jahren noch als Sprint-Hoffnung galt, wirkt wie jemand, der sich selbst nicht mehr glaubt. Die einen nennen es Ehrlichkeit, die anderen ein Armutszeugnis. Die Wahrheit liegt im Schnee von Oslo, und der schmilzt schneller als jede Erklärung.
Die deutsche Biathlon-Saison 2025/26 ist jetzt offiziell die des historischen Tiefs. Kein Sieg, keine Story, kein Funke. Wenn am Sonntag der letzte Staffelbewerb über die Bühne rauscht, dürfte nur noch die Statistik jubeln – und die deutsche Fans wieder einmal das Nachsehen haben.
