Deutschlands basketball-frauen schicken sich an, die welt zu erobern

Olaf Lange musste nicht lange überlegen. Als der Deutsche Basketball Bund ihn zum dritten Mal anrief, war die Antwort klar: „Wir haben so viel Talent.“ Die WM 2026 in Berlin rückt näher – und mit ihr der Traum von der ersten Medaille seit 24 Jahren.

Wnba-quartett liefert starpower

Satou und Nyara Sabally, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder – vier Akteurinnen, die in der besten Liga der Welt minutenweise Punkte sammeln. Nie zuvor schickte der DBB ein solches Kontingent über den Atlantik. Doch die wahre Waffe sitzt nicht nur in den USA, sondern im spanischen Mittelfeld.

Bühner und bessoir: das tandem, das niemand auf der rechnung hatte

Bühner und bessoir: das tandem, das niemand auf der rechnung hatte

Frieda Bühner ist 21, spielt seit einem Jahr bei Estudiantes Madrid und trägt ihre Olympiakette jeden Tag zur Erinnerung: „Mensch, ich war 20 und dabei!“ Gegen Südkorea ließ sie neun Punkte in Serie folgen, verteidigte wie ein Käfig, attackierte wie ein Kreisel. Ihre Statline: 13 Punkte, 6 Assists, 3 Blocks – und ein Plus-23 in 24 Minuten.

Emily Bessoir kratzte sich nach zwei Kreuzbandrissen aus der Reha-Klinik zurück ins Team. Die 24-Jährige spielt jetzt bei Lointek Gernika, stemmt Dreier über dem Sprungkreis, spricht offen über die monatelange Angst, nie wieder durchzustarten. „Letztes Jahr war alles offen. Jetzt bin ich hier – das bedeutet mir alles.“

Lyon wird zur generalprobe

Lyon wird zur generalprobe

Am Dienstag (17.00 Uhr/MagentaSport) trifft Deutschland auf Nigeria. Qualifiziert ist man als Gastgeber längst, dennoch fließt Schweiß. Leonie Fiebich schickt Warnungen: „Wir wollen Rhythmus, wir wollen Härte, wir wollen sehen, wer bei 30 Grad Saalhitze noch den Kopf frei macht.“

Lange experimentiert mit Wechselzonen, kleinen Lineups, einer Defense, die sich von Ballscreen zu Ballscreen verbiegt. Die Zahlen sprechen: 21,4 Punkte Schnitt in der ersten Viertelstunde der letzten drei Tests, nur 8 Ballverluste pro Spiel – beides Bestwerte unter seiner Ära.

Medaille oder ausnahmezustand

Medaille oder ausnahmezustand

Die letzte deutsche WM-Medaille datiert von 2001, Bronze in Tokio. Seitdem schlichen sich Viertelfinal-Aus, Achtmal-Elfmeter-Fluch und Olympia-Quali-Debakel ein. Die Generation um Gruda, Brunckhorst und Dietrich schaffte den Sprung nicht. Jetzt steht ein Kader, der in der Lage ist, USA oder Frankreich in ein Schwitzkontor zu schicken.

Die Uhr tickt. In 176 Tagen rollt der Ball in der Mercedes-Benz Arena. Bühner checkt Draft-Listen, Bessoir lässt sich neue Kniebandagen anfertigen, Lange schraubt an Spielplänen, die bis ins kleinste Detail geheim gehalten werden. Wer dann nicht bereit ist, wird sitzen – egal ob WNBA-Star oder Aufsteigerin.

Die Botschaft ist klar: Das Talent ist da, die Heim-WM kommt nur einmal. Und dieses Mal soll das deutsche Frauen-Nationalteam nicht nur dabei sein – es will angreifen.