Deutschland will: löwenherz statt gruppenabschluss!
Die Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands steht vor ihrer achteinhalbjährigen Chance, die WM-Träume wieder lebendig zu machen. Nach zwei schmerzhaften Vorrunden-Ausscheiden in Russland und Katar drängt es die Mannschaft, an die glorreichen Zeiten anzuknüpfen und den Weg für den fünften WM-Titel freizumachen – ein Ziel, das nur Brasilien bisher erreicht hat.
Julian nagelsmann: der junge herausforderer
Mit Julian Nagelsmann übernimmt der jüngste Trainer des Turniers (38 Jahre) das Ruder. Seine Aufgabe ist klar: Deutschland zurück an die Spitze bringen. Nagelsmann bevorzugt ein 4-2-3-1-System, das auf Ballbesitz und die Geschwindigkeit seiner Flügelspieler wie Musiala, Wirtz und Sané setzt. Doch er ist kein Freund starrer Schemata und experimentiert immer wieder mit verschiedenen Formationen, bis hin zum Einsatz von drei Verteidigern. Im Defensivbereich setzt er auf frühzeitiges Antizipieren und schnelle Konter, anstatt auf aggressive Zweikämpfe.
Die Zahlen lügen nicht: Während der Qualifikation generierte Deutschland mit durchschnittlich 3,4 xG pro 90 Minuten die höchste Torwahrscheinlichkeit aller qualifizierten Teams – deutlich mehr als Brasilien (2,20) und die argentinische Weltmeistermannschaft (2,15). Niklas Woltemade, einer von nur zwei UEFA-Spielern, der in der Qualifikation vier Schüsse aufs Tor brachte und drei seiner vier Tore zum jeweiligen Führungstreffer machte, beweist die offensive Durchschlagskraft.
Aber es gibt einen Haken: Deutschland hat in seinen letzten zwölf großen Turnieren in jedem Spiel mindestens einen Gegentreffer kassiert. Seit dem 0:0 gegen die Slowakei bei der EM 2016 blieb die Null in der Defensive auf der Strecke. Diese Anfälligkeit in entscheidenden Momenten ist das Problem, das Nagelsmann dringend lösen muss, wenn er es weit bringen will.

Florian wirtz: der schlüsselspieler
Mit Florian Wirtz, der von Bayer Leverkusen zu Liverpool gewechselt ist, hat Deutschland einen Spieler im Kader, der das Potenzial hat, die Mannschaft entscheidend voranzubringen. Seine Vielseitigkeit, seine Fähigkeit, zwischen den Linien Räume zu finden und seine Torinstinkt aus der zweiten Reihe machen ihn zu einer gefährlichen Waffe. Allein in der Qualifikation generierte er 3,4 Torchancen, 18,7 Torschüsse und 7 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten. Seine Rolle wird entscheidend sein.
Die WM in Katar hat gezeigt, dass auch vermeintlich kleinere Nationen mithalten können. Deutschland muss sich seiner Stärken bewusst sein, die Schwächen ausmerzen und vor allem eine Einheit bilden, um den Titelgewinn erneut in greifbare Nähe zu bringen. Denn eines ist klar: Nur mit Leidenschaft, Kampfgeist und taktischer Flexibilität wird es möglich sein, die Konkurrenz zu überwinden und den begehrten Pokal nach Deutschland zurückzuholen.
