Basketball-schock: vier deutsche teams im eurocup – aber nicht die besten!

Der deutsche Basketball-Nachwuchs stolpert ins internationale Rampenlicht – allerdings auf eine Art und Weise, die selbst erfahrene Experten vor ein Rätsel stellt. Nicht die etablierten Top-Teams, sondern vermeintliche Underdogs werden in der kommenden Saison im EuroCup vertreten sein, während Traditionsvereine am Abseits bleiben. Ein kurioser Fall, der die Frage aufwirft: Geht es im europäischen Wettbewerbsbasketball mittlerweile wirklich nur noch um Kommerz?

Die überraschenden qualifizierten

Die überraschenden qualifizierten

Während Ratiopharm Ulm als Tabellensechster der BBL die Qualifikation erreichte und im Viertelfinale gegen Bamberg scheiterte, dürfen überraschenderweise auch die Rostocker Seawolves (9.), die Niners Chemnitz (12.) und die Frankfurt Skyliners (15.) am Wettbewerb teilnehmen. Einmal mehr wird deutlich, dass die sportliche Leistung nicht immer oberste Priorität hat.

Die Erklärung für dieses kuriose Szenario liegt in der privaten Organisation des EuroCup, der als Unterbau der Euroleague fungiert. Hier scheinen die ULEB-Bosse – die Union des Ligues Européennes de Basketball – auf Standortfaktoren wie Etats und Hallengrößen zu achten, anstatt auf eine reine sportliche Qualifikation. Angesichts der drohenden Konkurrenz durch den erwarteten Start der NBA Europe im Jahr 2027 wollen sie offenbar wichtige Märkte frühzeitig besetzen.

Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes von 20 auf 32 Teams hat der BBL einen zusätzlichen Startplatz beschert – diesen erhielt überraschenderweise Rostock, obwohl die Seawolves in den Play-Ins gegen Aufsteiger Trier ausgeschieden waren. Ein bitterer Rückschlag für die Veolia Towers Hamburg (14.), die nach fünf Jahren dem internationalen Wettbewerb den Rücken kehren müssen.

„Wir sind stolz, nach intensiver Arbeit und Entwicklung nun Teil des EuroCup zu sein“, freut sich Rostocks Sportvorstand Jens Hakanowitz. „Uns ist bewusst, dass dieser Wettbewerb von höchster Qualität geprägt ist, und wir gehen mit Respekt an die Herausforderung, aber auch mit dem unerschütterlichen Willen, diesen nächsten Schritt für unseren Klub zu gehen.“

Ein Novum: Der EuroCup vergibt erstmals feste Lizenzen. Ulm, Frankfurt und Chemnitz sind für die kommenden fünf Jahre dabei, Rostock zunächst nur für ein Jahr. Dr. Thomas Stoll, der Boss von Ulm, äußerte sich via „X“ (ehemals Twitter) begeistert über das Vertrauen. Gerade für ein Ausbildungsprogramm wie das von Ulm sei dies eine riesengroße Auszeichnung.

Die Towers Hamburg haben ihre Hoffnungen indes noch nicht ganz aufgegeben. Denn: Bislang sind erst 31 Teilnehmer benannt worden – der letzte Platz wird per Wildcard vergeben. Die Auslosung der Gruppenphase findet am 7. Juli in Barcelona statt. Die Frage ist: Wird Hamburg die Chance nutzen oder verpasst der deutsche Basketball eine weitere Gelegenheit, auf internationaler Bühne zu glänzen?

Die Umstände sind sonderbar, die Konsequenzen weitreichend. Der deutsche Basketball muss sich nun fragen, wie er mit dieser neuen Realität umgehen soll – und ob der Kommerz langfristig die sportliche Qualität übertrumpfen wird.