Deutschland stürzt auf platz 11 ab – das ende einer paralympic-macht?
Mailand/Cortina – Elfter Platz. Das ist kein Tippfehler, das ist das offizielle Abschlussresultat des deutschen Teams bei den Paralympischen Winterspielen 2026. Zum ersten Mal seit 46 Jahren rutschen die DBS-Athleten aus der Top-Ten, und die Zahlen sind so klar wie schmerzhaft: nur zwei Goldmedaillen, beide im Monoski von Anna-Lena Forster, dazu sechs Silber- und neun Bronzemedaillen. 17 Edelmetalle summieren sich zu Rang vier im Nationencup – ein Trost, der die eigene Historie nicht kaschiert.
Der abstieg begann vor jahren, jetzt ist er sichtbar
Vancouver 2010, Goldregen und Jubel. Seither geht es Schritt für Schritt bergab: Platz 2, Platz 5, Platz 7 – und nun das freie Fallspiel bis auf Platz 11. Die Konkurrenz schläft nicht. Schweden und die Niederlande fahren mit je drei Goldmedaillen und halb so vielen Starts ins Ziel, Frankreich und selbst das unter Sanktion stehende Russland überholen Deutschland mit Minimalbesetzung. China dominiert das Tableau mit 15 Mal Gold, die USA folgen mit 12. Die deutsche Delegation reiste mit 55 Sportlerinnen und Sportlern an, doch Quantität verheddert sich immer öfter in Qualitätslücken.
Intern wird gemurmelt, dass die Förderstruktur seit der Bund-Länder-Umverteilung 2019 Lücken reißt. Skisportler berichten von fehlenden Materialtests, Biathleten von veralteten Rifle-Systemen. Die Athleten selbst halten sich bedeckt – aus Angst vor Ranglistennachteilen. „Wir haben nichts mehr wegzustecken“, sagt ein Betreuer anonym. Die Mannschaftsführung spricht öffentlich von „Motivations- und Trainingsdefiziten“, doch wer genau hinhört, erkennt ein System, das sich selbst überholt hat.

Anna-lena forster trägt das goldene gewicht allein
Doppelsieg im Slalom und Riesenslalom – Forster liefert das Kunststück, mit zwei Starts 100 Prozent Gold zu ernten. Sie trainiert in Österreich, finanziert sich über Sponsorinnentüren, weil der Verband ihre Spezialdisziplin nur als Randgruppe führt. „Ich habe nichts geschenkt bekommen, außer vielen Absagen“, sagt sie nach dem Rennen und lächelt, doch der Blick wandert zu den leeren Rängen der deutschen Betreuerzone. Ihre Leistung ist keine Einbahnstraße, sie ist ein Alarmsignal: Ohne Reformschub bleibt sie das letzte leuchtende Zugpferd in einer Staffel ohne Staffelstab.
Und die Zukunft? Der Deutsche Behindertensportbund bestätigt, dass „strukturelle Neuausrichtungen“ geprüft würden. Zeitrahmen: unbestimmt. Budget: unverändert 14 Millionen Euro jährlich, verteilt auf 26 Sportarten. Der leere Medaillenkast für Paris 2028 steht schon im Fundus. Die Athleten fliegen heim – mit Bronze im Gepäck und der Gewissheit, dass der nächste Winter erst in vier Jahren kommt. Bis dahin bleibt eine Frage in den eisigen Lüften Norditaliens: Wer stoppt den freien Fall des deutschen Parasports?
