Deutschland schlägt ägypten 41:38 – handball-spektakel vor heim-wm

300 Tage vor der Heim-WM liefert das DHB-Team gegen Afrikameister Ägypten einen Offensiv-Feuerwerkskörper, der den Blick nach vorn richtet: 41:38 im Dortmunder Hexenkessel, 79 Treffer, ein Juri Knorr in Überform und eine Defensive, die Alfred Gislason trotz Sieg noch schlaflose Nächte bereitet.

Die Westfalenhalle kochte. 10.732 Zuschauer sahen, wie der EM-Vize seine Silbermedaille mit Bronze-Sound unterlegte: Großstadtgeglücks „Gute Laune“ knallte aus den Lautsprechern, während die deutschen Handballer sich nach 60 Minuten Tempohandball die Trikots vom Leib schlugen. Siegermentalität? Check. Perfektion? Fehlanzeige.

Knorr tritt aufs gas – und gislason zieht die notbremse

Juri Knorr war der Mann des Abends. Neun Treffer, sieben Assists, ein Solo-Lauf nach dem Seitenwechsel, der Ägypten die Luft abschnürte. „Wir haben es geschafft, das Tempo noch höher zu halten als die Ägypter“, sagte der Rhein-Neckar-Löwe, während ihm die Schweißperlen von der Stirn tropften. Doch die Euphorie hatte ein Hintertürchen: 38 Gegentore gegen ein Team, das bei der WM 2025 nur Viertelfinalist war.

Alfred Gislason stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. „Hinten gab es viel, das wir besser machen können“, sagte der Isländer und klang dabei, als hätte man ihm den Kaffee weggenommen. 18 Gegentreffer im ersten Durchgang – das ist kein Ausrutscher, das ist ein Systemfehler. „Wir waren nicht beweglich genug“, konstatierte er trocken.

Doch es gab Lichtblicke: David Späth, Ersatzmann für den geschonten Andreas Wolff, hielt in Phasen, die Spiele drehen. Lasse Ludwig, Berlin-Debütant, kam und parierte direkt. Timo Kastening, zurück aus dem verletzungsbedingten Exil, klopfte sich mit dem rechten Arm ab – der Ball flog ins Netz, das Publikum flog mit.

Ägypten liefert mit, deutschland zieht den kopf aus der schlinge

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Die Nordafrikaner spielten, als hätten sie den EM-Final verpasst und nun nachlegen wollen. Mit physischer Präsenz im Rückraum zogen sie das deutsche Mittelblock-System auseinander, Nabil Sherif traf aus der zweiten Welle, während Mohamed Sanad mit Tempogegenstößen die deutsche Abwehr alt aussehen ließ. Beim 37:38 in der 59. Minute war die Halle kurz still, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Dann kam Knorr. Dann kam Kastening. Dann kam Golla. Drei Tore in 90 Sekunden, 41:38 – der Drops war gelutscht. „Es war ein ganz schönes Torfestival“, sagte Späht und musste lachen, weil er nichts Besseres fand. Die Statistik sprach für sich: 41 Tore, 66 Prozent Wurfquote, 14 erfolgreiche Gegenstöße. Die Defensivstatistik aber auch: 38 Gegentore, 9 technische Fehler, ein Umkehrschluss, der Gislason die Stirn runzeln lässt.

Nächster Härtetest: Sonntag, 15.30 Uhr, Bremen. Dort will Gislason die Abwehr justieren, bevor es in 300 Tagen um Edelmetall geht. Die Heim-WM rückt näher, der Countdown läuft. Die Fans sind heiß, die Mannschaft auch – nur die Null hinten fehlt noch.