Deutschland rutscht vorbei: dbb-team schießt sich in lyon heiß für berlin
Elf Meter, ein halber Punkt trennen das DBB-Team jetzt von Japan – und von der Top-10-Weltklasse. In Lyon haben sie sich das Selbstvertrauen erobert, das sie im Sommer in Berlin brauchen werden.
Olaf lange startet mit vollgas
Neu, aber nicht grün. Lange ist zurück, und das sieht man. Gegen Nigeria ließ er in der Zone eine Defense-first-Five auflaufen, die die Afrikameisterinnen in unter zwei Minuten aus der Puste brachte. Satte 24 Ballverluste erzwangen die Deutschen, die danach jeden Fastbreak nutzten. 87:58 – die höchste Differenz des Turniers für Deutschland.
Ohne Satou Sabally, ohne Maria Vadeeva und ohne Maria Kühn also. Lange hatte gewarnt: „Wir müssen mit dem arbeiten, was da ist.“ Was da war, war ein Kader, der in vier von fünf Spielen über 50 % aus dem Feld warf. Südkorea wurde mit 91:52 weggeschossen, die Philippinen mit 107:49 weggebügelt. Kolumbien? 77:54. Die Statistik, die dabei herauskam, ist kein Druckfehler: plus-19,8 Punkte Differenz im Schnitt – nur die USA liegen in der Quali-Phase weltweit höher.

Frankreich als realitätscheck
Die 63:75-Niederlage gegen die Olympia-Zweiten war trotzdem nötig. Frankreich spielte mit Gabby Williams und Marième Badiane ein Pick-and-Roll, das die deutsche Switch-Defense zerlegte. 18 Offensive Rebounds kassierte Deutschland, ein Wert, den Lange nach dem Spiel mit zwei Worten kommentierte: „Zu weich.“ Aber selbst diese Lektürt schadet nicht. Denn jetzt wissen sie, wo die Latte hängt – und dass sie sie erreichen können, wenn Luisa Geiselsöder und Lisa Thomaidis (Berlin-Nominierung steht) zurückkommen.

Die rangliste lügt nie
Von Platz 12 auf 11 – klingt nach Lapalie, ist es nicht. Die Weltrangliste der FIBA ist ein Elo-System: je stärker der Gegner, desto größer die Punktegeschenke. Deutschland sammelte 6,4 Zähler und liegt nun bei 673,5 Punkten. Dahinter: Türkei (649), vorne: Japan (674,0). Die halbe Punkteinheit ist der kleinste Vorsprung, den ein Team jemals auf dem Weg in die Top 10 hatte. Und weil Kanada (7.) und Brasilien (9.) versagten, rückt der olympische Traum näher. In Berlin treffen die DBB-Frauen in der Vorrunde auf Australien (3), Serbien (14) und ein noch zu bestimmendes Quali-Team. Die Route Viertelfinale ist kein Wunschdenken mehr.
Die Philippinen feierten ihren ersten Sieg außerhalb Asiens – 96:93 gegen Brasilien. Für den Rest der Welt ein Fußnote, für Deutschland ein Warnsignal: Die Globalisierung des Frauenbasketballs schreitet voran. Wer in Lyon nicht gewinnt, fliegt raus – das gilt auch für Berlin.
Am Ende stand Satou Sabally unter dem Korb, mikrofoniert, das Haar in der Stirnklebebande. „Charakter“, sagte sie, „wir haben Charakter gezeigt.“ Kein Slogan, sondern ein Fakt. Der Sommer kann kommen – das DBB-Team ist nicht mehr nur Gastgeber, sondern Mitspieler im Rennen um Edelmetall.
