Deutschland ringt ägypten nieder und schielt schon auf dänemark

34:33 – die Zahlen flimmern in Bremen über die Anzeigetafel, doch das Ergebnis belügt: Der zweite Sieg gegen Ägypten war alles andere fromm. Alfred Gislason stemmte die Hände in die Hüften, als hätte er eben nicht Handball, sondern einen Thriller gedreht.

David späht wird zur lebenden bandage

Die erste Halbzeit gehörte ganz dem deutschen Torwart. Späht parierte sieben Bälle, trieb die ägyptischen Rückraumsschützen in den Wahnsinn und ließ die 9.458 Fans in der ausverkauften ÖVB-Arena glauben, dass der Afrikameister hier nur Statist sei. Julian Köster jagte aus dem Rückraum wie ein Jungspund, der das Spielgerät zum ersten Mal halten darf – sechs Treffer, kein einzener Fehlwurf. 19:13 zur Pause, ein Sechs-Tore-Polster, das nach Wohlfühlkurs roch.

Dann kam das böse Erwachen. Die deutsche Abwehr löste sich auf wie Zucker im Tee, Ägypten schaltete auf Konter-Modus und zog den Rückstand in zehn Minuten auf 22:20 heran. Gislason nahm eine Auszeit, aber die Worte verpufften. „Wir haben sie wieder eingeladen“, sagte er später, und man hörte den isländischen Akzent noch ein bisschen verärgerter klingen.

Knorr geht mit pferdekuss, dänemark liegt schon im nacken

Knorr geht mit pferdekuss, dänemark liegt schon im nacken

Der Knackpunkt war nicht nur die Schwächephase, sondern auch der Ausfall von Juri Knorr. Eine Schlagwunde am Oberschenkel – im Volksmund „Pferdekuss“ genannt – schickte den Spielmacher in die Kabine. Ohne ihn verlor Deutschland Tempo und Struktur, und die Ägypter rochen Blut. Bei 26:25 schlichen sich erste „Oh-nee“-Rufe durch die Arena, doch Späht nahm die letzten fünf Minuten die Angelegenheit selbst in die Hand: zwei Siebenmeter-Paraden, ein Kreuzpass auf Köster – 34:33.

Die Heim-WM rückt näher, aber die Lektion ist klar: Gegen Dänemark, den nächsten Gegner am 15. und 17. Mai, reicht ein halbes Spiel nicht. „Wenn wir so starten wie heute, aber so enden wie in Halbzeit zwei, bekommen wir von den Dänen eine Packung, die wehtut“, sagte Miro Schluroff und wischte sich den Schweiß aus dem bürgerlichen Haaransatz. Der Enthusiasmus ist zurück, die Frage lautet nur, wie lange er anhält.