Deutschland feiert historischen paralympics-sieg nach 20 jahren

Nach 20 Jahren des Wartens, nach drei Niederlagen in Serie, nach dem Debakel gegen die USA mit 0:13 – da war er endlich, der Moment, der Sebastian „Bas“ Disveld und seine Teamkameraden aus dem Sledge in die Luft schnellen ließ: 4:3 gegen die Slowakei, erkämpft in der Verlängerung, erzielt von einem einzigen Mann.

Ein bremer trägt das deutsche eishockey-herz zurück aufs podest

Felix Schrader schoss alle vier Tore. Er nagelte den Puck zum 3:3-Ausgleich 17 Sekunden vor Ende der dritten Drittel, dann krönte er sich im Overtime zum Matchwinner. Disveld, Bremens frisch gekürter Behindertensportler des Jahres, stand zwar nicht auf der Torliste, aber er war es, der im Powerplay den Vorlagengeber bediente und die Räume öffnete, die Schrader nutzte.

Die Zahlen sprechen für sich: 2006 war das letzte Mal, dass Deutschland im Paralympics-Sledgehockey überhaupt antrat. Seitdem galt das Team als vergessene Rädchen im Getriebe des deutschen Behindertensports. Die Qualifikation für Mailand galt schon als Sensation – doch wer drei Spiele verliert und 47 Gegentore kassiert, der reist eigentlich als Statist. Bis gestern.

Vom autounfall zurück aufs eis – disvelds langer weg

Vom autounfall zurück aufs eis – disvelds langer weg

Disveld selbst war 21, als ein Unfall ihm das Leben auf den Kopf stellte. Heute, mit 34, erzählt er nicht mehr von dem Tag, an dem er den Rollstuhl kennenlernte, sondern von dem Tag, an dem er ihn gegen Eisstahlkufen tauschte. „Wir haben nicht nur gewonnen, wir haben bewiesen, dass wir hier nicht nur dabei sind, sondern dass wir mitspielen“, sagte er nach der Partie, die Stimme heiser vom Dauerskandieren des Siegeslieds in der Kabine.

Bundestrainer Peter Willmann hatte vor dem Turnier gewarnt, dass seine Mannschaft „noch nicht in der Lage ist, mit den Topnationen mitzuhalten“. Gegen die Slowakei zeigte sich: Wer vier Tore in einem Spiel schießt, der kann auch gegen Kanada oder die USA mithalten. Die Moral der Geschichte: Selbst ein 0:13 kriegt man aus dem Kopf, wenn man den Puck eben doch öfter im Netz versenkt als der Gegner.

Am Samstag, 16:05 Uhr, geht es gegen Italien oder Japan um Platz fünf. Kein Finale, klar. Aber nach 20 Jahren des Nichtstunns ist jeder weitere Tag auf dem Eis ein Sieg. Und für Bas Disveld ein persönlicher: Erst vor wenigen Tagen wurde er in Bremen geehrt, nun feiert er in Mailand – und vielleicht fährt er sogar mit einer Medaille heim. Die Rechnung ist einfach: Wer die Slowakei schlägt, dem ist kein Gegner mehr zu schwach.