Deutsche basketballerinnen schießen sich warm: 113 punkte und ein langes-comeback
33 Minuten lang war es ein Spiel wie aus dem Lehrbuch, dann platzte die Anspannung und die Bank jubelte: 113:80 gegen die Philippinen – Deutschlands Basketballerinnen haben ihre zweite Quali-Sensation in Villeurbanne gelandet und dem neuen Bundestrainer Olaf Lange die beste Startbilanz seit 2019 beschert.
Die Zahl 113 leuchtete lange über dem Parkett, und sie erzählte eine Geschichte voller Tempo und Wut. Denn wer diese Mannschaft zuletzt in Tokio gesehen hatte, wusste: Sie kann auch anders – nämlich zäh, verletzungsgeplagt und mit Geduld statt Glanz. Gegen die Filipinas war sie plötzlich wieder dieses offensive Ungetüm, das sich in der Zone wie einst im goldenen Bamberg-Zeitalter durchbeißt. Leonie Fiebich spielte sich in Ekstase, Emily Bessoir sammelte 25 Punkte und 13 Rebounds, als hätte sie die Körbe persönlich beleidigt.
Langes geheimnis: tempo statt taktikfetzen
Olaf Lange, seit November im Amt, hatte vor dem Turnier gesagt, er wolle „kein Rezept, sondern eine Gangart“. Die zeigte sich schon in den ersten Sekunden: Ballgewinn, sofortiger Vorstoß, kein Sekunde Zögern. Die Südostasiatinnen, körperlich unterlegen, fanden sich in einem Laufband wieder, das schneller lief als ihre Gedanken. 68:48 zur Pause – das war keine Führung, das war eine Ansage.
Doch das Spiel hatte zwei Gesichter. Zwischen dem zweiten und dritten Viertel schlichen sich jene alten Lücken ein, die Lange eigentlich austreiben will: Zu viele offene Dreier, zu viele verlorene Zweikämpfe am Rand. Die Philippinen kamen auf 58:70 heran, und für einen Moment flackerte die alte Verunsicherung auf. Dann schlug Nyara Saballys Schwester Satou – diesmal von der Tribüne aus – mit der Hand auf die Absperrung und brüllte: „Rebound!“ Die Größenvorteile nahmen sich das Spiel zurück, das Brett wurde zur deutschen Domäne (55:26).

Frankreich wartet – und mit ihr die wahrheit
Souveränität sieht anders aus, das wissen auch die Spielerinnen. Doch die 113 Punkte sind mehr als Statistik. Sie sind ein Seismograph für eine Mannschaft, die nach Verletzungspech und Umbruch wieder Selbstvertrauen tankt. Ohne Satou Sabally, ohne Kapitänin Marie Gülich, dafür mit Frieda Bühner, die 19 Punkte aus dem Hut zauberte und ihre Rolle als Sixth Man neu erfand.
Am Samstag kommt Frankreich – Olympia-Zweite, WNBA-gespickt, Heimpublikum. Für Lange ist das kein Test, es ist ein Blick in den Spiegel. „Wir wissen, wo wir stehen“, sagt er, „aber wir wissen auch, dass wir in Berlin Medaillen wollen.“ Die Französinnen werden nicht nur körperlich prügeln, sie werden die deische Defensive entblößen, wenn diese nicht endlich stabil steht.
Die WM-Endrunde im September ist noch weit weg, doch die Tonlage ist klar: Deutschland will nicht nur dabei sein, es will angreifen. Die 113 Punkte gegen den Außenseiter sind ein Startschuss, kein Ziel. Und wenn Bessoir am Samstag wieder so lacht wie gestern, dann kann sie auch gegen Sandrine Gruda oder Marine Johannès die Bretter zum Klingen bringen. Der Härtetest kommt – und mit ihm die Wahrheit über den Lange-Effekt.
