Deutsche handballerinnen jagen perfekte quali vor em-generalprobe

Skopje ist nur noch eine Pflichtstation. Die deutschen Handballerinnen reisen mit dem Selbstverständnis von Spitzenathleten, nicht von Hoffnungsträgern. Vier Siege, null Niederlagen – und trotzdem steckt im Bus nach dem Training ein leiser Stolz. Markus Gaugisch sagt es so: „Wir wollen die Weste sauber halten, nicht nur anprobieren.“

Weiße weste als visitenkarte für die em

Am Mittwoch (18.00 Uhr/live auf Dyn) geht’s gegen Nordmazedonien, am Sonntag in Kassel gegen Belgien. Beide Spiele gelten als Feinjustierung für die Endrunde vom 3. bis 20. Dezember 2026, die erstmals in fünf Ländern ausgetragen wird. Slowakei, Tschechien, Polen, Rumänien, Türkei – ein Handball-Festival quer durch Osteuropa. Die Karten sind sicher, der Ranglistenbonus noch nicht. Wer alle Quali-Spiele gewinnt, trifft bei der Auslosung auf schwächere Gruppengegner. Das ist kein Luxus, das ist Macht.

Antje Döll lacht, als sie nach „interessanten Spielen“ gefragt wird. Die Kreisläuferin und Kapitänin kennt den Modus: „Interessant bedeutet, dass wir hoffentlich früh die Luft rausnehmen.“ Beim Hinspiel gelang das mit 34:18. Nur Slowenien hielt im März 50 Minuten mit (23:30), danach platzte der Damm. Die Statistik lügt nicht: 124 Tore erzielt, 70 kassiert – ein Torverhältnis, das selbst die norwegischen Kolleginnen neidisch macht.

Junge wilds und comeback-frauen

Junge wilds und comeback-frauen

Gaugisch muss rotieren. Sarah Wachter (Knöchel), Annika Lott (Syndesmose), Marlene Tucholke (Adduktoren) bleiben zu Hause. Nachrücker Katharina Filter und Lena Degenhardt sind keine Lückenbüßer, sondern Tempogaranten. Besonders spannend: Alina Grijseels fliegt schon nach Skopje. Die 29-jährige Borussen-Zentrale sollte eigentlich nur gegen Belgien ran, doch Gaugisch will die Chemie zwischen ihr und Mia Zschocke testen. Ein Blick in die Zukunft, nicht in die Not.

Mit an Bord: Chiara Rohr, Jana Walther, Aylin Bornhardt. Die Trio holte 2025 U19-EM-Gold und trägt jetzt schon den Stempel „Generation 2028“. Rohr ist Linkshänderin mit 96-km/h-Wurf, Walther kann beide Außenpositionen besetzen, Bornhardt gilt als neue Julia Behnke in der Abwehr. „Wir wollen frisches Blut nicht nur beschnuppern, sondern direkt einsetzen“, sagt Co-Trainerin Sabrina Neukamp. Ihr Ziel: mindestens 20 Minuten Einsatzzeit pro Debütantin in beiden Spielen.

Die Gegner? Nordmazedonien kassierte im Oktober eine Packung, doch Trainer Ljubomir Savevski hat die Deckung umgestellt. Mit der 5-1-Variante um Kapitänin Elena Gjorgjijevska wollen sie den Rückraum dichtmachen. Belgien wiederum setzt auf Kontertempo – ein Stil, der Deutschland in der Vergangenheit immer wieder Probleme bereitete. „Wir werden beide Spiele wie Finals angehen“, sagt Gaugisch und meint es ernst.

Die Botschaft ist klar: Perfekte Quali ist kein Schönwetter-Ziel, sondern ein Statement. Wer in Skopje und Kassel gewinnt, reist im Dezember als Gejagte, nicht als Neuntager. Und vielleicht, so Döll mit einem Grinsen, „müssen wir uns dann im Winter keine Gedanken über Gruppengegner machen – die machen sich Gedanken über uns“.