Deportivo la coruña ringt sich in letzter sekunde zurück an die spitze
92. Minute in Ceuta, 94. Minute in Zubieta, 86. Minute gegen Zaragoza – wer Deportivo La Coruña seit November beobachtet, glaubt an Zeitspielerei des Schicksals. Die Galicier schieben sich mit späten Toren auf Rang zwei der Segunda und knabbern an der Tabellenführung des Racing Santander.

Acht jahre exil sind für einen meister zu lang
Real Madrid, Barcelona, Atlético, Athletic, Real Sociedad, Sevilla, Betis, Valencia – und Deportivo. Neun Klubs haben in Spanien die Meisterschaft gewonnen. Nur einer spielt nicht in der Primera. Seit 2016 dümpelt der 2000er Champion im Tiefenrausch, rutschte bis in die dritte Liga. Die Statistik lautet: 292 Ligaspiele ohne Eliteluft, dazu der Pokalsieg von 2002 und das Halbfinale der Champions League ein Jahr später. Historie als Gegengewicht zur Gegenwart.
Die Gegenwart heißt Antonio Hidalgo und eine Mannschaft, die sich in die Rekordbücher hustet. El Fußball hat einen Herzschrittmacher installiert: 87. Minute in Leganés, 89. Minute gegen Sporting, 98. Minute gegen Valladolid, 93. Minute in León. Die Punkte kommen, wenn der Gegner schon duschen will. Drei Tore in der Nachspielzeit innerhalb von fünf Wochen – das ist keine Taktik, das ist ein DNA-Test.
Die Fans haben den Modus verinnerlicht. Vor dem Spiel gegen Zaragoza blockierten sie die Avenida de Riazor, zündeten Bengalos, schmetterten den Song von La Mosca Tsé-Tsé: „Y pobre del que quiera robarnos la ilusión“. Der Glaube klingt wie eine Drohung. 25 000 Leute, die wissen, dass ihre Mannschaft erst dann richtig beginnt, wenn andere aufhören.
Liga-Hypermotion nennt sich die Zweite, doch für Deportivo ist sie ein Parcours mit Stolperdraht. November: Tabellenplatz eins nach Spieltag 16. Dann folgten drei Monate Pingpong, bis Spieltag 30 der zweite Rang zurück war. Die Tordifferenz ist besser als die des Racing, die Punkteausbeute der letzten zehn Spiele die beste der Reihe. Der Trend trägt, weil er müde macht.
Die Frage bleibt: reichen 90-plus-Minuten-Epen für den Sprung in die Primera? Die Antwort steht am 2. Juni, wenn die Play-off-Trommeln drohen. Bis dahin zählt nur die Uhr, die in Riazor langsamer tickt als anderswo. Und ein Satz, der seit acht Jahren durch die Kabine geistert: Wir sind einer von neun. Mehr Motiv gibt es nicht.
