Dennis eckert ayensa läuft für den iran auf – ein deutscher stürmer zwischen krieg und kaderkampf

Der Ball rollt, doch die Stille bleibt. Dennis Eckert Ayensa, 29, geboren in Bonn, geschult in Köln, Aachen und Mönchengladbach, sprintet im türkischen Belek im roten Trikot der iranischen Nationalmannschaft – und schweigt. Sein Debüt rückt näher, das Spiel gegen Nigeria am Freitag ist terminiert. Doch das, was ihn umgibt, ist kein Fußballmärchen, sondern ein Politdrama mit Trainingsbällen.

Ein bonner im abseits der diplomatie

Ayensa wurde eingeladen, nicht angefragt. Der iranische Verband verkündete, man habe „die FIFA-Genehmigungen eingeholt“, ein Prozess, der normalerweise Wochen dauert, hier aber binnen Tage abgeschlossen war. Die Logik dahinter: Ayensas Vater stammt aus Teheran, also darf der Sohn spielen. So weit, so regelkonform. Nur: Wer entscheidet, wann ein Spieler bereit ist, für ein Land zu laufen, dessen Regime gerade Krieg führt und dessen Fans im Stadz „Tod für Israel“ skandieren? Ayensa schweigt. Sein Management antwortet nicht auf Anfragen. Das ist keine Arroganz, sondern Selbstschutz.

Die Mannschaft trainiert hinter verschlossenen Toren. Kein Interview, kein Instagram-Post, kein Statement. Die offizielle Begründung: „Konzentration auf die WM-Qualifikation.“ Die wahre Begründung: Jeder Satz kann zur Falle werden. Sardar Azmoun erfuhr das am eigenen Leib. Der ehemalige Leverkusener postierte ein Bild mit dem Herrscher von Dubai – und war plötzlich suspendiert. „Akt der Illoyalität“, lautete die offizielle Diagnose. Azmoun löschte das Foto, blieb trotzdem draußen. Ayensa kennt die Geschichte. Er spielt nicht nur gegen Nigeria, er spielt auch um seine Zukunft.

Testspiele in der türkei – geisterspiele der politik

Testspiele in der türkei – geisterspiele der politik

Ursprünglich sollten die Länderspiele in Jordanien stattfinden. Dann flogen Raketen, und die FIFA verlegte das Ganze nach Antalya. Nicht weil es dort sicherer ist, sondern weil es dort neutraler ist. Neutralität ist relativ. Die iranische Mannschaft reist mit Sicherheitskräften, ein eigenes Medienteam filmt jede Übung, jede Dribbelung. Die Bilder werden gesichtet, bevor sie rausgehen dürfen. Ein Journalist, der seinen Namen nicht nennen will, sagt: „Wir sind hier nicht bei der WM, wir sind im Kriegseinsatz.“

Dabei ist Ayensa kein Politikum, sondern ein Stürmer mit 27 Spielen und drei Toren für Standard Lüttich. Er kann mit rechts außen, mit links ziehen, im Zentrum kombinieren. In der belgischen Liga gilt er als „arbeitsreich“, nicht als Star. Genau das macht ihn interessant für Iran. Die asiatische Mannschaft braucht keine Egos, sie braucht Funktionäre. Ayensa passt ins Schema: europäisch geschult, diszipliniert, ohne Twitter-Getöse. Ob er spielt, entscheidet Trainer Amir Ghalenoei. Der wiederum entscheidet nicht allein. In Teheran schaut jemand mit.

Die wm steht, der iran auch – aber wer will ihn?

Die wm steht, der iran auch – aber wer will ihn?

FIFA-Präsident Gianni Infantino beteuert, der Spielplan bleibe unverändert. Iran soll in Los Angeles und Seattle ran. Die US-Behörden halten das für „nicht angemessen“. Der Iranische Verband kontert: „Niemand kann uns ausschließen.“ Die Frage ist nicht, ob Iran spielt, sondern wo. Mexiko wird als Notlösung gehandelt. Die Spieler wissen das. Sie trainieren für ein Turnier, das vielleicht in einem anderen Land stattfindet. Ayensa könnte also nicht nur sein Debüt geben, sondern auch sein erstes Turnier in Exil.

2015 trug er noch das DFB-Trikot, damals U 19. Er war schnell, aber nicht schnell genug für Deutschland. Jetzt ist er schnell genug für den Iran. Die Ironie: Je besser er spielt, desto lauter wird die Frage, warum er überhaupt spielt. Für einen Stürmer ist das ein gewöhnliches Dilemma. Für einen Menschen ist es ein ungewöhnlicher Preis.

Am Freitag um 14 Uhr steht er auf dem Platz. Die Kameras werden zoomen, die Politiker werden schweigen, Ayensa wird laufen. Keiner wird fragen, wie er sich fühlt. Die Antwort steht in seinen Laufschuhen. Sie sind weiß, ohne Emblem, ohne Fahne. Nur die Spikes sind rot. Das reicht.