Demme steigt wieder ein – herthas zitter-alptraum geht in die nächste runde
Die Berliner Luft schmeckt wieder nach Comeback: Diego Demme, 34, Kopf- und Schwindelpatient, stapfte am Mittwoch ins Mannschaftstraining – und schon fragt sich die ganze Stadt, wie lange er diesmal durchhält.
Stefan leitl hatte es ahnen lassen
„Ich möchte dazu nichts sagen, weil ich auch keine genaue Diagnose geben kann“, hatte der Hertha-Coach im Januar abwiegeln, als ihn jemand nach Demme fragte. Gemeint war: Wir haben den Mittelfeld-Mann mental und körperlich längst abgeschrieben, aber wir wagen es nicht laut auszusprechen. Nun steht der Ex-Nationalspieler wieder zwischen den Kegeln, zwei Monate nach seiner letzten Gehirnerschütterung, und niemand traut sich ein Prognose zu – weder Mediziner noch Manager.
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit seinem Wechsel von Neapel im Sommer 2024 lief Demme gerade mal in sieben Pflichtspielen auf, Berlin zahlte 1,5 Millionen Euro Leihgebühr plus Gehalt. Verdiente Minuten pro Euro? Keine Rechnung, die man im Olympiastadion an die Wand hängt.

Krattenmacher liefert sich ein wettrennen mit der zeit
Neben Demme kehrt auch Maurice Krattenmacher zurück – der Bayern-Leihgabe fehlte seit dem Auftakt gegen Schalke die explosive Wade. Er wurde „teilentlastet“ ins Programm eingebaut, was im Klartext heißt: Ein Sprint ist erlaubt, zwei schon ein Risiko. Für die letzten neun Spiele der Saison will Leitl aus der Breite trumpfen: Brekalo links, Krattenmacher rechts, ein gesunder Wechselkobold für die Schlussphase. Ob es reicht, um die Lücken zu schließen, die Demmes fehlende Dauerpräsenz reißt?
Die Uhr tickt. Demmes Vertrag läuft am 30. Juni aus, die Option auf Verlängerung hängt an Gesundheitszeugnissen, die sich wie ein Stapel Lose anhäufen – jedes Mal hofft man auf den Hauptgewinn, landet aber beim Trostpreis.
Im Trainingslager kursiert ein schwarzer Humor: „Wenn Demme durchhält, schenke ich mein Haus“, sagt ein Betreuer. Keiner lacht laut, alle wissen, dass der nächste Hieb gegen den Kopf jeden Plan wieder zerfetzt. Die Mannschaft will den erfahrenen Seelenfänger zurück – aber sie will ihn vor allem gesund.
Am Sonntag winkt Auswärtsaufgabe in Kiel, ein 3-5-2, das ohne Ball wegläuft. Leitl wird bis zur Kabinenansage zögern, ob er Demmes Namen auf die Karte setzt. Eine weitere Reise in die Unwägbarkeit beginnt – und Berlin atmet trotz allem auf, weil ihr Mittelfeld-Dauerbrenner endlich wieder mit Feuer spielt statt nur noch mit Funken.
