De bruyne bebt neapel wieder: 127 tage später der jubel steht noch
Es war ein Moment, der das Stadion zum Kochen brachte. In der 79. Minute platzte der Donner im Maradona – nicht wegen eines Tores, sondern wegen eines Mannes: Kevin De Bruyne trat ein. 127 Tage nach seinem Muskelfaserriss, 127 Tage, in denen Neapel die Meisterschaft verspielte, jetzt also der Beweis: Er lebt, er kann spielen, er kann der Retter werden.
Die einwechslung war lauter als jedes tor
Die Lautsprecher schmetterten seinen Namen, die Kurve antwortete mit einer La-Ola, die bis zum Vesuv zu rollen schien. Kein Tor, keine Parade, nur ein Mann mit kurzen Haaren und langem Blick, der den Rasen betrat – und die Südtribüne kollabrierte vor Liebe. De Bruyne winkte kurz, fast scheu, dann ging’s zur Ecke, wo er gleich die erste Standardsituation schaltete. Die Hereingabe segelte hoch, wurde geklärt, doch das war Nebensache. Hauptsache er war da.
Das Spiel? 2:1 gegen Turin, ein Zittersieg, der Neapel auf Platz drei der Serie A schraubt. Die Tore erzielten Politano und Simone, doch selbst sie wussten: Heute zählt nur der Belgier. „Wir haben ihn vermisst wie die Luft zum Atmen“, sagte Politano später, und man glaubt ihm jedes Wort.

Die verletzung war ein schnitt ins herz der stadt
25. Oktober, Inter-Mailand, Elfmeter, 1:0. De Bruyne verwandelt, jubelt, bleibt liegen. Diagnose: Einriss im Beinbeuger, minimum zwölf Wochen. Was folgte, war ein freier Fall. Neapel holte aus den folgenden zehn Spielen nur elf Punkte, verlor den Anschluss an Mailand und Juventus. Ohne ihn lief alles halb so schnell, halb so kreativ. Die Statistik ist gnadenlos: Mit De Bruyne vier Siege in fünf Partien, ohne ihn nur zwei aus neun.
Jetzt also die Rückkehr in einem Heimspiel, das schon als Endspiel galt. Turin war stark, drückend sogar, doch als De Bruyne hereinkam, schalteten die Gäste einen Gang zurück. Angst? Respekt? Beides. In elf Minus Spielzeit schlug er zwei Diagonalbälle, die hätten 3:1 bedeuten können. Die Kurve sang, die Gegner wackelten. „Er zieht uns einfach nach vorne“, sagte Trainer Conte, „wie ein Magnet.“

Die champions-league-uhr tickt laut
Napoli hat fünf Runden bis zum Saisonende, vier Punkte Vorsprung auf Platz fünf. De Bruyne wird nicht mehr geschont, er wird gebraucht. Seine vier Tore und zwei Assists in bisher nur elf Pflichtspielen sind ein Vorgeschmack. Der belgische Verband will ihn sogar für die Nations-League-Finalrune im Juni nominieren – 35 Jahre alt oder nicht.
Die Fans jedenfalls haben ihren Fahrplan: Bis Mai jeden Samstag nach vorne schreien, jeden Dienstag träumen. Denn wenn De Bruyne bleibt, bleibt auch die Champions League. Und vielleicht, nur vielleicht, holt sich Neapel mit ihm das, was seit 1990 ausbleibt: den Scudetto. Die Stadt ist bereit, das Stadion auch. Und der Mann mit der Nummer 17? Der hat gerade erst wieder angefangen zu lächeln.
