David späth schlägt zurück: „ich bin ke zweiter sieger mehr“

Die Zahlen lügen nicht: 16 Paraden, 38 % Fangquote, und trotzdem wurde er als Sündenbock verramscht. David Späth, 23, spricht erstmals offen über die Shitstorm-Nacht nach Dänemark undwarum ihn der Vergleich mit Manuel Neier wütend macht.

Die nacht, in der der ball klatschende hass wurde

Kopenhagen, 26:31 – ein Tor, das nichts änderte, und plötzlich war Späth derjenige, der angeblich „abschenkt“. Was in der Kabine als Routine-Wechsel geplant war, mutierte in sozialen Medien zur Verschwörung. „Ich habe gedacht: Okay, schenken wir ab“, zitierte Pascal Hens live im Fernsehen. Ein Satz, der wie ein Brandbeschleuniger wirkt. „Respektlos“, sagt Späth heute und schüttelt den Kopf. „Ohne Andi zu schmälern: Ich bin auch ein Teil der Mannschaft und wurde eingesetzt.“

Der Unterschied zum Fußball: ein Torwartwechsel im Handball ist ke Drama, sondern Taktik. Alfred Gislason wechselt so oft wie ein Schachspieler Figuren. Wolff und Späth teilen sich die Last seit Olympia 2025, beide Silber. Doch der Fußball-Vergleich klebt an ihm wie Harz. „Wenn Manuel Neuer fehlt, ist das eine Sensation. Wenn ich spiele, heißt es plötzlich, wir würden das Spiel verschenken. Das ist einfach falsch“, so Späth.

55 Länderspiele, zwei silbermedaillen – und trotzdem gilt er als ersatz

55 Länderspiele, zwei silbermedaillen – und trotzdem gilt er als ersatz

Die Statistik spricht für sich: seit seinem Debüt im November 2023 kam er auf 145 Einsatzminuten bei der EM, mehr als jeder andere deutsche Keeper in den letzten zehn Jahren in einem Turnier. Dennoch wird er in Talkshows als „Joker“ tituliert. „Genau diese Experten haben vor dem Turnier gesagt, wir hätten zwei Keeper auf Augenhöhe“, so Späth. „Ich habe bewiesen, dass ich das Niveau halte. Trotzdem bin ich der Ersatzmann – das ist die Narrative, die mich nervt.“

Nun die nächste Chance: gegen Ägypten fehlt Wolff, Späth ist Nr. 1. Neben ihm steht Lasse Ludwig, mit dem er 2023 Junioren-Weltmeister wurde. Drei Jahre später ist Späht der Alte im Kasten – mit 23. „Ich will den letzten Sieg“, sagt er und meint damit nicht nur die beiden Testspiele, sondern Gold 2027 auf heimischem Parkett. Die Shitstorms hat er abgelegt wie ein abgestreiftes Handtuch. „Wer mich unterschätzt, kriegt die Rechnung präsentiert.“

Heute um 18:15 Uhr ist Schlusspunkt angesagt. Nicht nur gegen Ägypten, sondern gegen jeden, der ihm den Silberstreifen am Horizont noch als zweiter Sieger verkaufen will. Späth lacht kurz: „Ich bin ke zweiter Sieger mehr – das steht fest.“