Culbreaths elfmeter-drama: bayer-talent nach bitterer niederlage
Die Luft in Augsburg war zum Greifen dicht, die Stimmung im Stadion eisig. Ein einziger Moment der Unachtsamkeit, ein Fehlentscheid des Schiedsrichters – und der Traum vom DFB-Pokalhalbfinale für Bayer Leverkusen ist geplatzt. Montrell Culbreath, das gefeierte Talent aus der U19, stand am Ende im Zentrum des Sturms, gezeichnet von der Last des entscheidenden Elfmeters.
Ein lehrstück für junge profis
Die siebte Minute der Nachspielzeit. Der Stand: 1:1. Culbreath, gerade erst nach 65 Minuten für den erfahrenen Lucas Vazquez eingewechselt, stürmte entschlossen auf das gegnerische Tor zu. Ein unglücklicher Zweikampf mit Augsburgs Uchenna Ogundu, ein Pfiff des Schiedsrichters – und der Strafstoß für die Gastgeber. Fabian Rieder ließ Bayer-Keeper Lukáš Hrádecký keine Chance. 1:2. Das Spiel war entschieden, und Culbreath stand als „Sündenbock“ da.
Der 18-Jährige war sichtlich am Boden zerstört. Tränen liefen über sein Gesicht, als er unter seinem Trikot verschwand. Ein jäher Einbruch für einen Spieler, der kurz vor Weihnachten sein Bundesliga-Debüt mit einem Treffer gegen Leipzig feierte und seitdem zu einem regelmäßigen Bestandteil des Leverkusener Kaders geworden war. Doch dieses erste große Negativerlebnis sollte ihm eine schmerzhafte Lektion erteilen.
„Ich habe in meiner Karriere auch schon viele solcher Momente erlebt“, erklärte Jarell Quansah, Englands Nationalspieler und selbst Erfahrener, der die Situation um Culbreath nur zu gut nachvollziehen konnte. „Es passiert so leicht, dass man den Kopf hängen lässt. Aber solche Dinge gehören dazu.“ Quansah, der selbst im Mai vergangenen Jahres einen Elfmeter gegen Chelsea verursacht hatte, weiß, wie belastend solche Momente sein können. „Es gibt viele clevere Stürmer in der Bundesliga, und bei jedem noch so kleinen Kontakt geht man heutzutage zu Boden und bekommt einen Elfmeter.“
Geschäftsführer Simon Rolfes betonte ebenfalls die Bedeutung von Erfahrung und die Normalität solcher Situationen im Profifußball: „Montrell spielt eine hervorragende Saison. Solche Momente passieren auch gestandenen Spielern.“ Das Lob des Managers, die tröstenden Worte der Mitspieler – sie sollen Culbreath helfen, diese schwere Erfahrung zu verarbeiten und gestärkt daraus hervorzugehen.

Die frage nach der aufstellung am mittwoch
Nun stellt sich die Frage, wie Trainer Kasper Hjulmand mit seinem Schützling umgeht. Gegen Augsburg hatte er Culbreath zunächst auf der Bank gelassen und Vazquez in der Startelf aufgestellt. Doch wird der Däne im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München dem jungen Talent erneut eine Chance geben? Ein Vertrauensbeweis, der Culbreath zeigen würde, dass er trotz des Fehlers weiterhin auf ihn setzt. Oder wird er sich für den erfahrenen Poku entscheiden, der bereits als Rechtsverteidiger gegen Manchester City überzeugt hatte?
Die Entscheidung Hjulmands wird zeigen, wie er mit dem ersten größeren Rückschlag eines vielversprechenden Talents umgeht. Denn eines ist klar: Culbreath hat das Potenzial, zu einem wichtigen Spieler für Bayer Leverkusen zu werden. Ein Fehltritt darf diesen Weg nicht versperren. Der Junge muss daraus lernen – und weiterspielen.
