Crucible bleibt: snooker-wm verlässt sheffield nicht mehr bis 2045

Siebzehn Jahre lang wurde gerätselt, jetzt steht es fest: Die Snooker-WM bleibt im Crucible Theatre. Bis 2045 – und bei Bedarf sogar fünf Jahre länger. Die Entscheidung kommt nicht ohne Preis: 45 Millionen Pfund investiert Sheffield in den Kultbunker, 35 Millionen davon zahlt der Steuerzahler. Die Baustelle beginnt 2028, die Kapazität steigt von 980 auf 1.500 Plätze. Dafür verzichtet der Weltverband auf die fetten Schecks aus Riad, Peking oder Doha.

Barry hearn schlägt kommerz mit gefühl

Matchroom-Boss Barry Hearn gab sich nach außen knallhart, doch intern gestand er ein: „Bei dieser Entscheidung haben Gefühle mitgespielt wie nie zuvor.“ 1981 feierte er mit Steve Davis’ ersten Weltitel seinen Durchbruch – im Crucible. Seitdem ist das Unternehmen mit dem kleinen Theater verwachsen, und Hearn musste Investoren absagen, die dreimal so viel Preisgeld boten. Die Spieler sind gespalten: Judd Trump und Co. träumten von Millionen, Ronnie O’Sullivan warnte vor dem Verlust der Seele. Am Ende setzte sich die Tradition durch – mit einem Kompromiss, der modernisieren soll, ohne zu entzaubern.

Die Stadt Sheffield atmet auf. Die WM bringt jährlich 20 Millionen Pfund an Tourismus-Umsatz, Hotels und Pubs sind ausgebucht, die Queue-Fabrik Riley kurbelt die Produktion an. Auch Downing Street jubelt: Premierminister Keir Starmer sicherte sich einen Teil des Sieges, indem er Hürden aus dem Weg räumte. Die Botschaft ist klar – Großbritannien will seine Sportikonen nicht verkaufen. Die BBC verlängerte bis 2032, Eurosport und HBO Max sicherten sich die Rechte fürs Streaming-Zeitalter. Die Fans können aufatmen: Die Atmosphäre, in der ein Flüstern wie ein Donner klingt, bleibt erhalten.

Ab 2029 spielt das turnier vielleicht im exil

Ab 2029 spielt das turnier vielleicht im exil

Ein Wermutstropfen bleibt: Die WM muss zwischendurch auswandern. 2029, vielleicht auch 2030, steht ein Ersatzort an, während die Bagger im Crucible graben. Kandidaten gibt es genug – Alexandra Palace, Birmingham Resorts World, sogar das Tempodrom in Berlin wurde ins Spiel gebracht. Doch die BBC zieht eine rote Linie: Die Übertragung muss aus dem Vereinigten Königreich kommen. Also bleibt alles beim Alten, nur größer. Die Snooker-Familie kann weiterspielen, ohne ihre Seele zu verkaufen. Die Frage ist nur: Wer zahlt 2045 die nächste Runde?