Nagelsmann lässt die 10 frei – ein stück wm-sehnsucht namens musiala
Kein Musiala, keine 10. Julian Nagelsmann schickt ein Signal, das lauter ist als jedes Interview: Die Nummer bleibt beim DFB vakant, weil der Spieler, für den sie bestimmt ist, noch fehlt.
Die einzige lücke zwischen 1 und 26
Am Mittwochmorgen flatterte die Liste durch die WhatsApp-Gruppen der Nationalmannschaft. Torhüter Oliver Baumann trägt die 1, Joshua Kimmich bleibt bei der 6, Neuling Lennart Karl darf sich mit der 25 empfehlen. Doch genau in der Mitte: eine Leere. Die 10. Kein Name, kein Kürzel, nur ein schwarzes Loch auf dem Aufkleber der Ausrüster. Für Jamal Musiala ist das eine Art Reservierung, für alle anderen eine Erinnerung daran, dass dieser Kader noch nicht komplett ist.
Die Schmerzreaktion, die den Münchner aus dem Aufgebot warf, klingt harmloser, als sie ist. Nach seinem Syndesmoseriss im Sommer arbeitet Musiala an einer Comeback-Story, die zwischen Fitnessraum und Gewichtsscheiben stattfindet. Nagelsmann hätte ihn „gerne dabei gehabt“, sagt er, aber er verzichtet, weil er verzichten muss. Die Saison der Bayern wird entschieden in den nächsten Wochen, und ein Rückschlag wäre tödlicher als eine Niederlage gegen die Schweiz.

Ein kader, der noch auf den letzten punkt wartet
Die Partien in Basel und Stuttgart sind Tests, aber keine Probedünnen. 53.000 Tickets weg in Stuttgart, 25.500 in Mainz gegen Finnland – die Stadien sind voll, die Erwartung auch. Kevin Schade trägt plötzlich die 9, ein Flügelstürmer im Zentrum der Angriffsreihe. Lennart Karl darf hoffen, dass die 25 ein Sprungbrett ist, nicht nur eine Zufallszahl. Und dennoch: Ohne die 10 wirkt der Kader wie ein Puzzle mit einem fehlenden Mittelstück.
Die Entscheidung, die Nummer frei zu lassen, ist mehr als Symbolik. Sie ist ein Versprechen an Musiala und eine Forderung an dessen Knöchel. Die WM 2026 rückt näher, und mit ihr die Frage, ob Deutschlands wichtigster Kreativspieler rechtzeitig wieder zu der Magie findet, die ihn auf dem Papier unverzichtbar macht.
Für den Moment ist die 10 ein leeres Trikot auf der Stange, ein Platzhalter für die Hoffnung. Wenn Musiala zurückkommt, wird er sie wieder tragen – und wenn nicht, bleibt sie ein Mahnmal für das, was hätte sein können. Nagelsmann spielt Roulette mit der Zeit. Die Kugel rollt, der Kader wartet, die 10 bleibt frei.
