Cremonese zieht notbremse: nicola riskiert systemwechsel gegen fiorentina
14 Liga-Spiele ohne Sieg, ein Klub am Abgrund, ein Trainer, der zum Krisenmanager wurde: Davide Nicola lässt die Cremonese in den Bergen von Torre Boldone ausharren, wo einst der FC Bayern seine Champions-League-Kräfte sammelte. Das Signal ist unmissverständlich – gegen Fiorentina wird umgestellt, umgestaltet, umgerissen. Jamie Vardy rutscht auf die Bank, das 3-5-2 folgt ihm. Die Rettung soll aus dem Chaos kommen.
Warum vardy plötzlich zusieht
Der englische Weltmeister von 2016 war Oktobers Lichtblick, schoss Doppelsiege wie gegen Bologna. Doch seit Dezember wirken seine 39 Jahre wie Betonstiefel. Die Geschwindigkeit fehlt, die Dribblings enden in Zweikampf-Niederlagen. Nicola kontert mit Milan Djuric, 1,96 m Bosnier, Kopfballungeheuer und Notnagel für lange Bälle. Die Devise: „Erstmal rauf, dann weit weg.“ Bonazzoli profitiert, weil Djuric die Verteidigung bindet. Das Tor in Lecce entstand genau so – per Kopfstoch, per Tumult, per Instinkt.
Doch der Sturm ist nur Teil der Aufrüstung. Nicola experimentiert parallel mit einem 4-4-2, um Okereke links außen zu installieren. Der Nigerianer ist kein Flügelspieler im klassischen Sinn, aber ein zusätzlicher Stürmer, der die Kette überlädt. Mit Dreierkette wäre das Offensivrisiko zu groß, mit Viererkette kann er nach voren schalten und hinten Rückendeckung durch die doppelte Sechs erhalten. Maleh und Thorsby gelten als gesetzt, ihre Aufgabe: Balleroberung und sofortiges Umschalten.

Der kader-puzzle nach baschirotto-ausfall
Ohne den gesperrten Pezzella und den langzeitverletzten Baschirotto wird die Abseitsfalle zur Achterbahn. Terracciano kehrt nach Muskelproblemen zurück und rückt sofort nach rechts außen. Dort erwartet ihn ein Duell mit Nicolás González, Fiorentinas Torjäger mit sieben Scorerpunkten in den letzten fünf Partien. Die Statistik spricht Bände: Cremonese kassierte in den letzten 14 Spielen 25 Gegentore, nur zwei Teams in Europas Top-5-Ligen sind schlechter. Eine Reinigung der Null muss her, sonst droht der vorzeitige Klassenabstieg.
Der Ritort in Torre Boldone dauert bis Montagmorgen. Kein Heimflug, kein Familienbesuch. Stattdessen Videoanalysen bis 23 Uhr, Ausdauerschläge im Hang. Die Spieler nennen es „la prigione di montagna“, doch Nicola weiß: Wer jetzt flüchtet, fliegt. Die Fans haben die Schnauze voll, die Kurve droht mit Boykott. Die Vereinsführung setzte Ultimatum: mindestens vier Punkte aus den nächsten drei Spielen, sonst wird nach der Länderspielpause ein neuer Coach präsentiert. Nicola spielt Poker mit seinem System, seinem Sturm, seiner Zukunft.
Gewinnt Cremonese, springt der Klub auf den Relegationsplatz. Verliert er, beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer sieben Zähler. Die Saison ist keine Saison mehr, sondern ein Seilakt ohne Netz. Um 20:45 Uhr in Stadio Zini wird das Pulver verschossen, das seit Wochen feucht wird. Nicola setzt auf Djurics Stirn, auf Okerekes Sprint, auf die Nerven seiner Mannschaft. Die Frage ist nicht, ob das reicht. Die Frage ist: Wenn nicht jetzt, wann dann?
