Corona, tränen, olympia-traum: grotians saison ging durch die hölle
Selina Grotian schickte sich an, das deutsche Biathlon-Jahrzehnttalent zu werden. Stattdessen landete sie mit 21 Jahren erst in Isolation, dann hinter den Klappen von Antholz. Der Grund: eine Corona-Infektion, die ihren Kreislauf ebenso lahmlegte wie den Rhythmus der gesamten Saison.
Die angst, zu früh wieder anzufangen, nagte an ihr
Schon in Östersund musste sie umkehren, weggeschickt mit Fieber und dem Gefühl, eine komplette Vorbereitung zu versenken. Wer Wochen verpasst, verliert nicht nur Trainingsstunden, sondern vor allem Wettkampfhärte. „Die Angst wieder zu früh anzufangen war sehr groß“, schreibt Grotian auf Instagram. Ein Satz, der mehr erzählt als jede Statistik.
Die Folge: keine Top-40-Platzierung in Einzelrennen, keine Medaille, nicht einmal ein Lächeln nach dem Schlussschuss. Olympia wurde zur Zitterpartie. Erst in Ruhpolding schaffte sie die Norm, mit letzter Kraft und einem Sprint über die Röhrenbrücke ins Ziel. Kindheitstraum erfüllt, hieß es. Doch der Körper hatte andere Pläne.

Die höhenluft fraß ihre power, der punch blieb aus
In Antholz schwankte sie auf der 2,5 km-Schleife zwischen 1.700 und 1.800 Metern. „Der Punch fehlte, die Höhenlugt hat mir mehr zugesetzt als in den Jahren zuvor“, gesteht sie. Ihre Schießleistung im Training war laut Analyse „richtig gut“, im Rennen aber zitterte der Kolben. Enttäuschung pur.
Die Bilanz: Platz 35 im Gesamtweltcup. Für Normalbürger gut, für eine Athletin, die als Nachfolin von Dahlmeier und Herrmann gehandelt wird, eine Kampfansage. Sportdirektoren reden gern vom „Lehrjahr“, doch Grotian weiß: Sponsoren fragen nach Resultaten, nicht nach Lernkurven.
Die gute Nachricht: Sie ist 21. Ihre Knie halten, die Lunge erholt sich, und das Selbstbewusstsein kehrt zurück. „Ich blicke voller Zuversicht und Motivation auf die nächste Saison“, sagt sie. Die Tränen sind getrocknet, die Snowboards im Keller. Nächster Winter, neue Schneekristalle.
