Andreas sander beendet karriere: silber-weltmeister gibt krankheitsbedingt auf

Er war der letzte deutsche Speed-Hoffnung, jetzt ist Schluss: Andreas Sander, Super-G-Silbermedaillengewinner von Cortina 2021, stellt nach einer mitochondrialen Dysfunktion seine Ski-Helme an den Nagel. Die Diagnose aus dem Jahr 2024 war der Beginn eines langsamen Abschieds, den der 36-Jährige nun beim Saisonfinale in Axamer Lizum offiziell macht.

„Ich habe jeden Muskel, jede Trainingsmethode und jeden Arzt ausprobiert“, sagt Sander, der phasenweise nicht einmal eine Treppe steigen konnte, ohne sich ausruhen zu müssen. „Die Energie war einfach weg.« Die Mitochondrien – die Kraftwerke seiner Körperzellen – lieferten keinen Saft mehr. Was mit Müdigkeit begann, endete in einer vollständigen Leistungsunfähigkeit auf Weltcup-Niveau.

197 Rennen, zwei podeste – und ein silber, das wie gold wog

Der Ennepetaler fuhr seit 2008 durch die weiße Arena, zweimal stand er auf dem Podest, doch der 15. Februar 2021 in Cortina d'Ampezzo bleibt unvergessen: 0,02 Sekunden fehlten auf Vincent Kriechmayr, 0,02 Sekunden, die Sander in die Geschichtsbücher katapultierten. „Das war der Tag, an dem ich allen bewiesen habe, dass auch ein Deutscher ganz vorne mitfahren kann“, blickt er zurück. DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier nennt ihn deshalb eine „tragende Säule als Sportler und Mensch“ – eine Formel, die im deutschen Ski-Verband höchstes Lob bedeutet.

Die letzten beiden Jahre verbrachte Sander zwischen Reha-Zentren, Eigenblutbehandlungen und leisen Spaziergängen mit seiner Tochter. Weltcup-Punkte? Illusion. Stattdessen zählte er Schritte auf der Uhr, nicht Stundenkilometer auf der Piste. „Ich habe gelernt, dass Leistung nicht nur aus Muskeln kommt, sondern auch aus dem Kopf. Aber selbst der stärkste Wille kann eine defekte Zelle nicht reparieren.“

Kein comeback, kein trainerjob – erst mal nur pause

Kein comeback, kein trainerjob – erst mal nur pause

Zur beruflichen Zukunft schweigt Sander bewusst. „Ich bin 36, habe zwei Kinder und einen Körper, der mir signalisiert, dass es reicht.“ Ski-Experte bei einem TV-Sender? Materialtechniker? „Erst muss die Gesundheit passen, dann sehen wir weiter.“ Der Deutsche Skiverband wird ihn beim Heim-Weltcup in Axamer Lizum mit einem eigenen Seitenspur-Lauf würdigen – eine Geste, die es so selten gibt, weil sie den Schlussstrich offiziell macht.

197 Einsätze, zwei Olympia-Teilnahmen, ein Silber – und eine Geschichte, die endet, bevor sie richtig begann. Andreas Sander tritt ab, doch seine 0,02 Sekunden bleiben. Sie sind kleiner als ein Herzschlag, größer als eine Karriere.