Corini packt aus: wie ein anstreicher brescia zurück an die spitze führen will
Eugenio Corini trägt noch heue die Farbe der Wände in den Knien. Mit 15 half er seinem Vater beim Streichen und schleppte Kisten im Hafen. «Du kannst nicht mit halb 16 schon Profi werden», sagte Carlo Corini. Der Sohn hörte zu – und lernte, dass sich alles erkämpft werden muss.
Von der baustelle in den juve-kader
1990, Italien rauscht durch die WM, steht der 17-Jährige plötzlich neben Roberto Baggio. Trapattoni steckt sie in ein Zimmer, weil der Neue sonst verschwindet. Abends Pinakola-Schlachten: Baggio, Carrera, Corini – niemand will zahlen. «Robi war ein Rockstar, ich der Ungeliebte», sagt er heute und lacht – aber das Lachen klingt nach Stahl.
Die 10 trug er trotzdem, einmal bei Juve, einmal beim Napoli. Das Trikot wollte er von Maradona, doch der hatte es schon Casiraghi versprochen. Drei Jahre später lief Corini selbst mit der Zehn auf – «so verrückt ist Fußball».

Der mancini-streit, der nie mancini war
Genau, er flog nicht wegen Mancini raus, sondern wegen sich selbst. «Jugendkopf», sagt er. Es knallte in der Samp-Kabine, er antwortete frech, wurde suspendiert. «Recht hatte er, ich nur die Schnauze.» Dafür holte ihn Sacchi dreimal in den Kader, einmal sollte er gegen Mexiko einwechseln. Dann verletzt sich Mancini, Sacchi nimmt einen Stürmer statt ihm. «Roberto im Drehbuch – wieder.»
Der Kreuzbandriss folgt, der zweite. Mit 28 sieht er den Abgrund. «Da dachte ich das erste Mal: Wenn ich nicht mehr spiele, will ich wenigstens bestimmen, wie gespielt wird.» Die Idee zum Trainer war geboren.

Palermo, rom, inter – alles fast
In Palermo verabschiedeten sich 200 Fans vor dem Vereinsbüro – «Liebeserklärung». Aber Zamparini schwankte, Corini trat zurück. Spalletti rief später an: «Wir brauchen einen Regista neben De Rossi und Pizarro.» Die Roma-Nummer platz. Davor war schon die Inter-Nummer geplatzt: Mantovani schloss ihn in der Umkleide ein und sagte: «Ich hab dich gerade geholt, ich verkauf dich nicht.» Er spielte, wurde Kapitän.

Zurück an den see: brescia 2.0
2019 empfing ihn die Stadt wie einen Heimkehrer. «Ich wollte dieses Gefühl noch mal erleben», sagt er. Also kehrte er 2025 zurück – obwohl die Leonessa gerade in der Serie C steckt. «Kategorie egal, Sehnsucht zählt.»
Sandro Tonali war noch ein Kind, als Corini ihn zum Profi schulte. «Körper von 18, Kopf von 35.» Morten Hjulmand entdeckte er in der österreichischen Provinz, «kein Stammplatz, aber ein Anführer im Blut». Beide tragen heute Kapitänsbinde in Topklubs. «Das ist meine echte Tabelle», sagt Corini.
Sein Ziel? «Brescia wieder da hin, wo der See tiefer wird.» Heißt: Serie A. Die Farbe an den Wänden ist längst abgekratzt, die Farbe im Herzen nicht. Wer einmal Kisten schleppte, weiß, wie schwer eine Meisterschaft wiegt – und hebt trotzdem weiter.
