Como-präsident packt aus: tv-set wurde zum champions-league-träumen
Manchmal reicht ein Sieg gegen die Roma, um das eigene Narrativ zu sprengen. Mirwan Suwarso, Präsident des FC Como, gestand dieser Tage, dass er den italienischen Traditionsklub ursprünglich nur als Kulisse für eine indonesische Fußball-Doku gekauft hatte. Der Plan: Kameras an, Action, Sendepause. Die Realität: Aufstieg, Cesc Fàbregas, Tabellenspitze – und jetzt ernsthafte Champions-League-Gerüchte.
„Wir wollten nur drehen, nicht gewinnen“
Suwarso im Interview mit der Zeitschrift Undici: „Vor Covid war Como ein Set, nichts weiter. Die Serie B hat uns gelehrt, dass unser Projekt zu groß für ein Fernsehspektakel geworden war.“ Die Wendung kam mit der Verpflichtung von Cesc Fàbregas, 37, ehemaliger Weltmeister, zunächst als Miteigentümer, heute als Chefcoach. „Wir haben ihn nicht als Trainer geholt“, so Suwarso. „Er hat uns aber gezeigt, wie man mit Unternehmensdenken eine Mannschaft baut.“
Die Zahlen sprechen für den Ex-Mittelfeldspieler: 1,64 Punkte pro Spiel seit seinem Amtsantritt, die jüngste Formation der Serie A (Schnitt 24,3 Jahre), dazu die drittbeste Defensive hinter Inter und Napoli. Kein Wunder, dass Arsenal und Chelsea laut Gazzetta dello Sport bereits Kontakt aufgenommen haben. Suwarso bleibt cool: „Wäre dumm, das nicht einzuplanen. Aber er soll selbst seinen Nachfolger bestimmen.“

Champions league? kein offizielles ziel
Trotz 39 Punkten nach 21 Spielen und nur zwei Zählern Rückstand auf Platz vier vermeidet die Geschäftsführung Druck. „Wir definieren keine Tabellenobjektive“, betont Suwarso. Stattdessen steht ein ökonomischer Leitwert im Fokus: „In kürzester Zeit profitabel werden.“ Mittelbar profitiert auch der Tourismus rund den Lago di Como. „Unser Fußball ist ein Erlebnisprodukt. Wer hierherfliegt, will mehr als 90 Minuten sehen – er will eingetaucht werden.“
Der Club verkauft deshalb Kombi-Pakete: Tickets plus Hotel plus Bootstour. Erlösanteil bisher: 30 Prozent des Gesamtumsatzes. Die restlichen 70 Prozent hängen an TV-Geldern und Transfergewinnen. Doch die Skalierung läuft. Neue Partner aus Asien sollen die Merchandising-Einnahmen auf 12 Millionen Euro pro Jahr verdoppeln. Ein weiterer Sieg gegen ein Top-Team, und die UEFA-Koeffizienten werden ebenfalls mitspielen.
Como spielt nicht nur Fußball, Como inszeniert sich – und das plötzlich auf höchstem Niveau. Die Doku wurde zur Meisterrolle, der Show-Act zur Spitzenmannschaft. Für Suwarso ist klar: „Wir sind erst bei 30 Prozent unseres Potenzials.“ Die Serie A soll sich warm anziehen, der Lago ist längst nicht mehr nur für Klischee-Postkarten gut.
