Como 2026: vom bankrott zum champions-league-kandidaten – ein milliarden-comeback
Sieben Jahre nach dem Kollaps in der vierten italienischen Liga jagt der Como Calcio jetzt die Königsklasse. Der Club, den zwei indonesische Tabak-Milliardäre aus England steuern, steht auf Platz vier – und hat sich damit in eine europäische Top-Story verwandelt.
Die geister von 2019: marco banchini und der letzte platz in serie d
Der damalige Trainer Marco Banchini erinnert sich gern an die Trainingsplätze am Lago di Como. „Wir hatten 400 Zuschauer, dafür aber 400 echte Fans“, sagt er heute. Mittelfeldmotor Silvano Raggio Garibaldi und Stürmer Alessandro Gabrielloni trugen das Trikot, das Roberto Pruzzo – einst Roma-Torjäger – als Sportdirektor zusammenstellte. Die Mannschaft war ein Befreiungsschlag, keine Fernseh-Attrappe.
Doch das sollte sich rasend schnell ändern. Im April 2019 kauften die Brüder Robert Budi Hartono und Michael Bambang Hartono den Traditionsverein. Die Forbes-Liste führt die Zigaretten-Könige auf Rang 75 der reichsten Menschen der Welt. Michael Hartono verstarb kürzlich mit 86 Jahren – sein Erbe aber lebt im Norden Italiens fort.

Transfer-market 3.0: katalanischer coach und globale stars
Seit der Übernahme fließt Geld, aber keineswegs blind. Der katalanische Trainer installiert ein 4-3-3 mit Ballbesitz-Klausel, der scouting-Algorithmus filtert Talente aus Uruguay, Ghana und den Niederlanden. Die Gehälter liegen laut Insidern bei 40 % unter dem Liga-Schnitt, die Leistungsdichte dafür bei 120 %. „Wir bauen keine Galáctico-Truppe, sondern eine Daten-gestützte Kampfmaschine“, sagt ein Vereinsfunktionär anonym.
Die Ergebnisse sprechen für sich: 17 Auswärtssiege in der laufenden Saison, die zweitbeste Defensive der Serie A, ein Torverhältnis von plus 29. Und die Stimmung? Verkauft ist jedes Heimspiel bis Saisonende – 13 000 Sitzplätze im neuen Stadio Sinigaglia, der vor zwei Jahren noch eine Ruine war.
Der Mythos wächst. In den Siebzigern schlenderten Paolo Rossi und Marco Tardelli hier über den Rasen, Weltmeister in spe. Heute trainiert ein katalanischer Taktik-Fuchs mit indonesischem Budget, und die Fans singen: „Chi non salta dei Como è“. Selbst die regionalen Rivalen aus Bergamo applaudieren – aus Angst und Respekt.
Champions-League-Platz vier, drei Spieltage vor Schluss. Die Rechnung ist simpel: bei sieben Punkten aus den letzten neun gehört Como erstmals der Europapokal-Elite. Die Buchmacher zahlen auf „Vierten bleiben“ nur noch 1,45 – das ist kein Wohltätigkeitsprojekt mehr, das ist ein Business-Case aus dem Lehrbuch.
Und das Mantra? „Avanti sempre“, Vorwärts immer, steht in riesigen Lettern im Spielertunnel. Kein Pathos, kein Slogan-Marketing – nur ein Imperativ. Von der Serie D in die Champions League, in 2 557 Tagen. Wenn das kein Drehbuch für die nächste Netflix-Doku ist, weiß ich auch nicht.
