Claus ronchis-lemcke beendet die super-halfs: „cardiff war das herzstück“
Er wollte nur einmal durch Kopenhagen joggen, jetzt hält er eine Medaille, die aussieht wie ein Wurfstern aus Städten. Claus Ronchis-Lemcke aus Berlin hat die Super-Half-Serie komplettiert – sechs Halbmarathons in Europa, sechs Wochenenden voller Startgebet und Finisherfolgen. Prag war der letzte Checkpunkt, 21,097 km durch die goldene Stadt, danach war die Serie perfekt. „Eigentlich war nur Kopenhagen geplant“, sagt er, „aber dann hat uns die Idee gepackt, und wir sind einfach weitergelaufen.“

Die serie, die läufer zur sucht macht
Super-Halfs klingt nach Marketing, ist aber ein privates Punktekonto: Berlin, Lissabon, Valencia, Cardiff, Kopenhagen, Prag. Wer alle absolviert, bekommt die metallene Sonne, 350 Läufer haben es dieses Jahr geschafft. Die Plätze sind begehrt, in Kopenhagen wartet man mittlerweile zwei Jahre auf einen Startplatz. Die Strecke ist egal, die Stadt ist der Preis. „Valencia ist schnell wie ein Tempolimit“, sagt Ronchis-Lemcke, „aber Cardiff ist das Herzstück. Dort läuft jeder für jemanden – Krebskranke, Angehörige, die Stadt wird zur Laufkathedrale.“
Die Zeiten sind nebensächlich. Seine Frau und er haben die Serie wie ein Reisetagebuch genutzt, jedes Mal ein neues Visum für die Beine. Die Medaille zählt, nicht der Schnitt. „Wir haben 5:30 Uhr Hotels frühstücken gesehen und Flughafenlaufbänder, die länger sind als manche Landebahn“, lacht er. Die Berliner Arbeitswelt hat sie trotzdem nie losgelassen: „Wir helfen bei Marathons in Berlin mit, deshalb haben wir unser Heimrennen ausgelassen. Wenn wir Berlin nachholen, müssten wir wieder von Null beginnen – alle sechs Städte neu.“
Die Frage, ob er noch einmal startet, beantwortet er mit einem Seitenhieb auf das Läuferhirn: „Wir überlegen, Cardiff nochmal als Sightseeing-Halbmarathon. Weil man nach der Zielgerade sofort wieder buchen will.“ Die Super-Halfs ist kein Abo, sie ist ein Loop. Und Ronchis-Lemcke steht bereits wieder am Rand, zieht die Schuhe an und schaut Richtung Startbögen Europas. Die Medaille liegt im Wohnzimmer, doch der Puls schlägt schon wieder in 180 BPM.
