Christian schneider: riera tropft, frankfurt stolpert – der zauber ist vorbei

Millerntor, 90 Minuten lang ein Schauspiel ohne Vorhang und ohne Happy-End. Eintracht Frankfurt spielt sich in 72 Prozent Ballbesitz fest, St. Pauli trifft zweimal nur den Pfosten – am Ende jubeln nur die Statistiker über ein 0:0, das keiner sehen wollte.

Rieras predigt und das leere netz

Albert Riera stapft mit gesenktem Blick in die Mixed-Zone, doch die Stimme lässt ihn nicht im Stich. „Passion, Energy, Perfektion“, sagt er und klingt dabei wie ein Trainer, der sich selbst überzeugen muss. Die Wahrheit liegt auf dem Rasen: Kein Tor, keine Idee, kein Durchbruch. Jean-Matteo Bahoyas Schuss in der 47. Minute bleibt die einzige nennenswerte Szene – ein xG von 0,38 ist Armut, gemessen an Frankfurts Anspruch.

Die Kiezkicker spielen, als wäre der Abstieg ein Gerücht. Zweimal klatscht der Ball an den Außenpfosten, einmal muss Kevin Trapp retten, was die Abwehr vergisst. Frankfurt dagegen wirkt wie angeschnallt in einer Schleife: Dreimal berühren, dreimal quer, dreimal zurück. Riera hadert mit der eigenen Langsamkeit: „Wenn jeder drei Kontakte braucht, kannst du den Gegner nicht überraschen.“

Der platz sechs wird zur fata morgana

Der platz sechs wird zur fata morgana

Nach neun Spielen ohne Niederlage glaubten selbst Skeptiker an die Wende. Doch die Lücke zu Bayer Leverkusen wächst auf neun Punkte. Markus Krösche spricht von „verlorenen zwei Punkten“, Nnamdi Collins sogar von „kompletter Katastrophe“. Die Europacup-Ränge rücken in weiter Ferne – und mit ihnen die Illusion, Rieras Zauberstab könne bis Mai reichen.

Der Coach rotiert, aber das Räderwerk bleibt stotternd. Mario Götze sitzt 90 Minuten, Ritsu Doan verliert den Stammplatz, Farès Chaibi darf von Beginn an – und versteckt sich. Jonathan Burkardt bringt es auf den Punkt: „Wir haben nur außen rumgespielt.“ Die Flanke, einst Frankfurts DNA, fehlt komplett; nur zwei von 26 Hereingaben finden einen Mitspieler.

Zeit wird knapp, der glaube bleibt

Zeit wird knapp, der glaube bleibt

Riera verlangt Geduld, doch der Kalender macht kein Geschenk. Gegen Heidenheim muss ein Sieg her, sonst wird der Frust lauter als die Leidenschaft. Die Defensive steht, das Handwerk stimmt – aber wer keine Tore schießt, reist nur zum Training. Der Spanier weiß: „Wir arbeiten erst vier Wochen zusammen.“ Die Bundesliga wartet nicht auf Wunder, sie verrechnet Punkte.

Am Millerntor verließ Frankfurt die Bühne mit leeren Händen. Der Zauber ist noch nicht gebrochen – aber der Stab zeigt erste Risse. Wer nicht trifft, kann auch nicht fliegen.