Cherki liefert sich k.o.-ansage: „wir fahren hin, um alle zu vernichten“

Rayan Cherki schlägt keine Hälse ein. Nach dem 1:2 gegen die Elfenbeinküste steht er vor Mikrofonen, grinst trotz Niederlage – und schickt eine Kampfansage quer durch den Atlantik. 14 Tage vor dem WM-Start in Kanada, Mexiko und den USA verkündet der 22-Jährige: „Wir fahren nicht als Favorit, wir fahren hin, um jeden Gegner auszulöschen.“

Müdigkeit hin, chemie her

Frankreichs Coach Didier Deschamps rotierte in der zweiten Halbzeit durch wie ein DJ auf Überdrehzahl. Das Ergebnis: plötzliche Lücken, zwei Gegentreffer, erster Dämpfer nach 13 ungeschlagenen Spielen. Cherki aber sieht das nüchtern. „Ein Weckruf, sonst nichts“, sagt er und klopft sich mit der flachen Hand gegen das Trikot. „Am 16. Juni gegen Senegal zählt nur ein Zustand: klar im Kopf, scharf im Abschluss.“

Die Zahlen sprechen für ihn. Seit seinem Debüt im März hat Frankreich in 532 Minuten mit Cherki auf dem Platz 18 Tore geschossen – Schnitt von 3,05 pro 90 Minuten. Kein anderer Offensivspieler unter Deschamps je besser.

Das telepathie-duo olise & cherki

Das telepathie-duo olise & cherki

Das, was zwischen Cherki und Michael Olise passiert, erklärt selbst Opta nur mit „ungewöhnlich hoher Erwartungswert-Korrelation“. Der Bayern-Flügel zieht nach innen, Cherki schlängelt sich außen – ohne Blickkontakt. „Er weiß, dass ich den Raum nicht blockiere, ich weiß, dass er den Ball zwischen die Linien legt“, beschreibt Cherki das Duo. Beide trainierten während der Vorbereitung täglich 20 Minuten extra, nur für diese Automatismen.

Gegen Senegal wollen sie das erste Mal gemeinsam von Beginn an. Deschamps ließ bereits durchblicken, dass er statt eines klassischen Mittelstürmers auf ein „bewegliches 3-2-4-1“ setzt – mit Olise als halbrechter Achter und Cherki als frei rotierenden „Falsch-Neun“.

Frankreichs geheimer plan: den gegner mental zerren

Frankreichs geheimer plan: den gegner mental zerren

Im Trainingslager in Clairefontaine probten die Equipe gestern eine neue Druckvariante: Sobald der Ball verloren geht, sprinten sofort fünf Spieler den Gegner an, die restlichen bilden eine 2-3-Kettenfalle. Zweck: Ballgewinn nach maximal acht Sekunden. Die Datenanalysten des Verbandes errechneten, dass 64 % aller Länderspiel-Gegentreffer Frankreichs in der Übergangsphase nach Ballverlust fallen. Diese Zahl soll auf unter 25 % sinken.

Cherki lacht, als er gefragt wird, ob diese Taktik riskant sei. „Risiko ist, mit Respekt zu spielen. Wir spielen mit Vollgas, das ist der Unterschied.“

Am 16. Juni um 17 Uhr (Ortszeit in New York) geht’s los. Frankreich gegen Senegal. Und Rayan Cherki will Geschichte schreiben – nicht als Favorit, sondern als Vernichter. Die Weltmeisterschaft bekommt ein neues Kapitel: Titelverteidiger oder nicht, „Les Bleus kommen, um zu herrschen“.