Chelsea: ein abstieg in die selbstzerstörung?
Die Spirale dreht sich unaufhaltsam: Chelsea, einst Champions-League-Sieger, taumelt immer tiefer in eine Krise, die kaum noch zu erklären ist. Nach einer spektakulären, aber verfehlten Investitionsoffensive droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit – und das trotz eines Kaders, der auf dem Papier kaum Wünsche offenlassen dürfte.
Ein fiasko unter neuer ägide
Die Übernahme durch Todd Boehly im Jahr 2022 sollte eine neue Ära einläuten, doch stattdessen entfesselte sie eine Lawine an Fehlentscheidungen. Der Verein, der 2021 noch die Königsklasse gewann, landete in der Saison 2022/23 mit Platz 12 die zweitschlechteste Premier-League-Platzierung der Vereinsgeschichte. Vier Trainer – Thomas Tuchel, Graham Potter, Bruno Saltor und Frank Lampard – mussten innerhalb einer einzigen Saison den Platz räumen. Ein Zeichen für die chaotischen Verhältnisse hinter den Kulissen.
Zwar schien die Verpflichtung von Enzo Maresca und der Gewinn der Conference League kurzzeitig Hoffnung zu machen. Doch auch diese positive Entwicklung verpuffte. Der Triumph gegen Betis (1:4) und die Rückkehr in die Champions League waren nur kurzlebige Strohfeuer.
Ein Transfer-Desaster
Die Ausgaben für Neuzugänge summieren sich auf über 1,7 Milliarden Euro – eine Summe, die in der Fußballgeschichte ihresgleichen sucht. Spieler wie Moisés Caicedo, Enzo Fernández, Cole Palmer, Joao Pedro und Marc Cucurella sollten den Kader verstärken, wirken aber bislang wie fehl am Platz. Die Verpflichtung von Caicedo, Fernández, Palmer, Pedro und Cucurella war ein teurer Fehlkalkül.
Die jüngste Entlassung von Enzo Fernández, nachdem er angeblich das Interesse des Real Madrid geweckt hatte, wirft ein weiteres schlechtes Licht auf die sportliche Führung. Liam Rosenior übernahm das Ruder, feierte zunächst vier Siege in Serie, doch die Mannschaft geriet zunehmend aus dem Ruder. Der Ausschluss aus der Champions League gegen PSG (2:8), das Ausscheiden im Ligapokal gegen Arsenal (4:2) und die jüngsten Demütigungen in der Premier League verdeutlichen den dramatischen Absturz.
Gegen Brighton, das den Verein in den letzten Jahren regelmässig ausplunderte, offenbarte Chelsea eine erschreckende Hilflosigkeit. Zum ersten Mal seit der Saison 1911/12 blieb Chelsea in fünf aufeinanderfolgenden Ligaspielen ohne Tor. Die 0:1-Niederlagen gegen Newcastle, Everton, Manchester City und United sowie die jüngste 0:3-Pleite gegen Brighton waren nur die Spitze des Eisbergs. Die xG-Werte (erwartete Torgeben) bestätigen das Bild: Chelsea erzielte gegen Brighton lediglich 0,38 xG – ein Saisonbestwert für die schlechteste Leistung.
Rosenior, sichtlich frustriert, sprach von einer „inakzeptablen“ Leistung in allen Belangen. „Es war inakzeptabel in Bezug auf die Gegentore, die Ballverluste und die fehlende Intensität“, erklärte er. Die Spieler seien schwer zu kritisieren, aber ihre Leistung sei „einfach unverteidbar“ gewesen.

Ein ungewisses zukunftsszenario
Die Europäische Zukunft des FC Chelsea hängt nun einzig und allein vom Erfolg im FA-Cup ab. In der Liga scheint man sich mit einem Platz im Conference League-Bereich abzufinden. Ein möglicher Rauswurf von Rosenior, trotz eines Vertrages bis 2032, würde dem Verein eine Abfindung von rund 27,6 Millionen Euro kosten.
Chelsea, einmal ein Symbol für Erfolg und Dominanz, hat sich selbst in den Abgrund manövriert. Es bleibt abzuwarten, ob der Verein jemals wieder aus diesem Teufelskreis entkommen kann.
