Changan deepal s05 awd max: italiens design trifft chinesische elektro-power
Die Straße glänzt wie ein Eislauf, aber das SUV spurt wie auf Schienen: 435 PS stampfen durch zwei E-Motoren, 502 Nm Drehmoment schießen das 2,1-Tonnen-Gefährt in 5,5 Sekunden auf 100 km/h. Die Changan Deepal S05 Awd Max ist da – und sie kommt nicht aus Wolfsburg oder Stuttgart, sondern aus Rivoli. Dort, im Stilzentrum am Rand von Turin, haben italienische Designer der chinesischen Marke das Gesicht gegeben, mit dem sie jetzt den europäischen Markt erobern will.

Warum ein suv ohne klassisches cockpit plötzly fachwelt und tiktok spaltet
Kein Digitalcockpit. Keine Drucktasten. Stattdessen ein schwenkbarer 15,4-Zoll-Touch und ein Head-up, der Geschwindigkeit und Navi direkt auf die Windschutzscheibe wirft. Wer jetzt denkt, China kopiere nur, liegt falsch. Die Lücke am Lenkrad ist Kalkül – und provoziert. Puristen motzen, Digital Natives jubeln. Die Redaktion von Gazzetta Motori hat das Fahrzeug auf zugefrorenem Kurs getestet, bei minus acht Grad. Ergebnis: ESP greift spät, die Allrad-Apportionierung arbeitet präzise, die serienmäßige Luftfederung schluckt Schlaglöcher wie ein Luxusliner.
Die Zahlen sprechen für sich: 68,8 kWh LFP-Zelle, 445 km WLTP, Schnellladung von 30 auf 80 Prozent in 15 Minuten mit bis zu 200 kW DC. Für 42.990 Euro ist die Allrad-Variante zu haben – ein Preis, der selbst Hyundai Ioniq 5 und Tesla Model Y in den Grundausstattungen unterbietet. Die Hecktriebler-Variante Rwd Pro kommt für 36.990 Euro, leistet immer noch 272 PS und schafft 485 km Reichweite. Das Kofferraumvolumen wächst von 492 auf 1.250 Liter, dazu gibt es einen Frunk mit 125 Liter – genug für zwei Eishockey-Taschen.
Auf dem Papier klingt alles nach Sieg. Doch im Alltag nagt der Teufel im Detail. Die Fensterheber-Bedienung verschwindet im Touch-Slider, die Klimaautomatik verlangt Mindestblick-Kontakt zum Display. Selbst Lautstärke regelt man virtuell – ein Horror für alle, die im Winter Handschuhe tragen. Die Lösung: Sprachsteuerung inklusive Offline-Modus, funktioniert aber nur, wer sich an das italienisch-klingende „Ciao Deepal“ gewöhnt.
Changan, 1862 gegründet und einer der ältesten Fahrzeugbauer Chinas, liefert in Europa erstmals unter eigenem Logo. Bisher stand das Unternehmen im Hintergrund – Partner für Mazda CX-6e und 6e. Jetzt tritt der Hersteller selbst in die Arena, unterlegt mit einer Garantie von fünf Jahren und einem Netz von 60 Vertragshändlern bis Ende 2025. Das Timing ist kein Zufall: EU-Zollzölle auf chinesische EVs steigen 2025, da will man noch schnell Marktanteile sichern.
Die Fahrt endet vor einem Supercharger an der Autobahn A4. Ein Model-Y-Fahrer blickt neugierig, sieht das stylische LED-Leuchtband am Heck und fragt: „Was ist das denn?“ Die Antwort: ein SUV, das Italiens Design mit chinesischer Batterie-Kompetenz verheiratet – und dabei fast zwei Sekunden schneller ist als ein VW ID.4 GTX. Die Deepal S05 wird nicht jeden überzeugen, aber sie zwingt die etablierten Marken, über Preise und Bordkonzepte neu nachzudenken. Wer bislang dachte, Elektro-SUVs müssten teuer sein, lernt das Gegenteil – und spürt dabei, dass Eis keine Bremse, sondern Bühne sein kann.
