Chabloz wirft hin: schwedens biathlon-boss verlässt team mit schwerem herzen
Sechs Jahre, drei Olympische Spiele, unzählige Podestplätze – und jetzt dieser Moment: Jean-Marc Chabloz verabschiedet sich beim Weltcup-Finale in Oslo aus seiner Rolle als Schießtrainer der schwedischen Biathlon-Equipe. Der 58-Jährige selbst bestätigte gegenüber SVT, dass er „unglaublich traurig“, aber auch stolz sei. Die Entscheidung sei seine eigene, kein Machtwort des Verbands.
Reizlose hotels und einsame hotelzimmer
Was ihn zuletzt zermürbte, war nicht der Druck der Medien oder die Erwartung, jeden Winter neue Medaillen zu liefern – sondern das ständige Unterwegssein. „Es fiel mir immer schwerer, so viel Zeit fern von zu Hause zu verbringen“, sagt der Walliser, der künftig in Jämtland eine Managementstelle übernimmt und das Projekt als „Traumjob“ bezeichnet. Die Balance zwischen Erfolg und Privatleben hatte sich verschoben; das Pendeln zwischen Weltcups, Hochlagenlagern und trostlosen Flughafenlounges frisst auf Dauer jeden.
Die Athleten reagieren mit Respekt statt mit Panik. Anna Magnusson erzählt, dass die Mannschaftsbusfahrt nach Oslo „schon emotional“ war: „Man merkt, dass er mit seiner Entscheidung im Reinen ist.“ Hanna Öberg ergänzt: „Wenn du jeden Tag 150 Schuss analysierst und dafür sorgst, dass wir im Wind von Antholz treffen, bist du ein Stück weit Familie.“

Flickenteppich an der schießlinie
Wer diese Familie künftig zusammenhält, ist offen. Interne Kreise nennen Jonne Kähkönen, den finnischen Chefcoach der italienischen Mannschaft, als heißen Kandidaten. Doch Kähkönen hat in Livinzo noch einen laufenden Vertrag und schweigt zu den Spekulationen. Sollte er absagen, dürfte Schweden erneut auf dem Markt der Shooting-Gurus kramen – ein Markt, der seit dem Abgang von Siegfried Mazet aus Norwegen ohnehin dünn wird. Mazet wechselt selbst zurück nach Frankreich, wo er das Nacholympia-Projekt übernehmen soll.
Chabloz selbst blickt nach vorn. In Jämtland will er Nachwuchscamps aufziehen, Sponsoren koordinieren und „dem Sport dienen, ohne jeden Samstag in einem anderen Land aufzuwachen“. Ein halbes Jahrzehnt Schwedens Schießrevolution ist damit vorbei – doch die Zahlen bleiben: 14 Einzel-Weltcup-Siege, drei WM-Golds und das Olympia-Double 2022 sind sein Vermächtnis. Am Holmenkollen wird er sich Sonntagabend von der Crew verabschieden, dann heißt es: Türe zu, Rucksack zu, neue Story los.
