Celta verspielt 3:0 und die champions-league: giráldez will nichts mehr hören
Von einer 3:0-Kanone zur verpatzten Gala in 45 Minuten: Der Celta Vigo war gegen Alavés nur noch zwei Tore von der Champions-League-Platz entfernt – und kassierte dennoch eine 3:4-Schlappe, die Claudio Giráldez mit Handkantenschlag abtun will. „Ich will keine Worte über Platz fünf oder Europa hören“, donnerte der Trainer nach dem Abpfiff, „erst die 43 Punkte, dann reden wir weiter.“
Goldene chance vertan – und das mitten im euphorischen balaído
Die Rechnung war simpel: Sieg gegen Alavés plus Betis-Pleite in Bilbao gleich Sprung auf Rang fünf. Die Voraussetzungen lagen perfekt, doch die Celta verpasste den Haken in der Tabelle, weil sie nach der Pause wie ausgewechselt wirkte. Ferran Jutglà, der mit einem Doppelpack noch die Sensation eingeleitet hatte, bröckelte sichtlich: „Wir hatten eine goldene Chance, sie einfach weggeworfen“, sagte der Stürmer mit Blick auf die Galionsfigur des Teams, die plötzlich erstarb.
Javi Rodríguez sprach Klartext. „Solche Fehler darf man sich in der Primera nicht leisten“, mahnte der Verteidiger, während Jones El-Abdellaoui resigniert den Ball auf dem Rasen stocherte: „Wir haben in der zweiten Hälfte aufgehört zu spielen, ihnen das Kommando überlassen. Enttäuschend, weil wir besser waren.“

Giráldez’ 43-punkte-dogma steht über allem
Der Coach hatte sich vor Wochen die magische Marke 43 ausgerechnet – eine Zahl, die in LaLiga seit Jahren die virtuelle Rettung bedeutet. Drei Spieltage lang versuchen die Celestes vergeblich, diese Hürde zu nehmen. Dabei winkt derzeit mehr denn je: Platz fünf würde direkt die Champions-League-Qualifikation bedeuten, weil der spanische Koeffizient diesmal eine Extraticket spuckt.
Doch Giráldez blockt jede Europagedanken-Attacke ab. Wer ihn kennt, weiß: Solange die 43 nicht fix sind, redet er nicht über Tableau-Träumereien. Die Mannschaft aber schielt längst nach oben. Das Problem: Sie schafft es nicht, die eigene Anleitung über 90 Minuten umzusetzen. Balaído feierte nach 34 Minuten bereits den sicheren Sieg – und musste 56 Minuten später den K.O. verdauen.

Die angst vor der berüchtigten celta-krise kehrt zurück
Gerade erst hatte der Klub die Abstiegszone hinter sich gelassen, nun folgt der nächste Rückschlag. Die Fans erinnern sich an vergangene Jahre, in denen der Verein stets dann strauchelte, wenn es nach oben roch. Die 3:4-Pleite wirft die alte Frage auf: Fehlt die mentale Abbruchkante, wenn der Gegner zurückschlägt? Giráldez wird in der Länderspielpause Videoanalysen pauken, mit Sportpsychologen sprechen und die Defensivabläufe neu schrauben.
Denn die Konkurrez schläft nicht. Betis, Real Sociedad und der FC Valencia haben ebenfalls ihre Patzer, doch sie verpassen selten die Chance, aufzurücken, wenn Celta stolpert. Die nächsten Gegner: Osasuna auswärts, danach Girona daheim – ein Programm, das Punkte verlangt, wenn der Traum von Europa nicht zur Schnapsidee verkommen soll.
43 Punkte oder rausch – die wahrheit liegt auf dem rasen
Am Ende zählt nur die Tabelle, nicht das Taktikbuch. Giráldez weiß das, seine Spieler ebenfalls. Die Länderspielpause kommt zur rechten Zeit, um angeschlagene Köpfe zu reparieren. Die Marschroute bleibt klar: Erst die 43 Punkte, dann darf wieder geträumt werden. Doch wenn Celta auch die nächsten Chancen versiebt, bleibt von der Champions-League nur das alte Mantra: Am Ende steht man mit leeren Händen da – und der Ball rollt unbeirrt weiter.
