Gattuso muss umplanen: chiesa fällt aus, cambiaghi rückt nach
Der Traum von der WM 2026 beginnt mit einem Dämpfer. Federico Chiesa verlässt das italienische Trainingslager in Coverciano und wird Rino Gattuso im Playoff gegen Nordirland fehlen. Die Azzurri müssen umsteuern – und das nur 48 Stunden vor dem Auftakt in Bergamo.
Chiesa reist ab, cambiaghi packt koffer
Der Flügelstürmer von Liverpool kehrte nach physiotherapeutischer Absprache nach Hause zurück. Die medizinische Abteilung bestätigte eine Muskelträgheit, die ein Einsatzrisiko darstellt. Nicolò Cambiaghi vom FC Bologna erhielt sofort die Freigabe und wird noch heute in die Basilika des italienischen Fußballs einrücken.
Die Uhr tickt. Gattuso wollte mit Chiesa die linke Seite besetzen, nun muss er taktische Alternativen improvisieren. Cambiaghi bringt Frische, aber keine 30 Länderspiele. Die Frage lautet: Reicht die Durchschlagskraft für ein Playoff, in dem ein Tor den Unterschied zwischen Fortfahren und Ferien bedeutet?

Verletzungspech setzt sich fort
Chiesa ist nicht der einzige Kandidat auf der Roten Liste. Gianluca Scamacca, Alessandro Bastoni und Roberto Mancini (nicht der Coach, der Sohn von) laborieren an Blessuren. Alle drei blieben vorsorglich im Teamhotel, absolvierten aber nur regeneratives Lauftraining. Ein Befund wird heute Nachmittag erwartet. Sollte Bastoni ausfallen, droht der Abwehrzentrum notgedrungen mit Federico Gatti und Giorgio Scalvini zu bestehen – 23 Länderspiele gemeinsam, keine WM-Erfahrung.
Die Zahlen sind brutal: Seit der Nicht-Qualifikation 2018 haben die Azzurri 14% ihrer Playoff-Spiele verloren, wenn mindestens zwei Stammspieler fehlten. Gattuso muss nun Personal roulette spielen, ohne die Sicherheit einer zweiten Chance. Der Sieger trifft im März 2025 auf Kroatien oder Griechenland – ein vermeintliches Los, das plötzlich nach Minenfeldt riecht.
Die Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Auf Twitter kursiert das Meme „Coverciano = Krankestation“. Die Realität ist schmerzhafter: Italien war in den letzten fünf Turnieren nur einmal im Viertelfinale, und das war 2016. Ohne Chiesas Tempo und Torgefahr wird das Offensivkonzept schmaler. Cambiaghi steht vor seiner ersten Bewährungsprobe im blauen Trikot – und vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere.
Die Stunde der Wahrheit naht. Donnerstag, 20.45 Uhr, Gewiss-Stadion. Wer dort nicht steht, wird 2026 wohl vor dem Fernseher sitzen. Gattuso weiß: In den Playoffs zählt nicht Tiki-Taka, sondern Charakter. Die Italiener haben bewiesen, dass sie ohne Stars überleben können – aber nie ohne Kampfgeist. Diesmal muss der Teamgeist reichen, denn die Individualklasse fehlt bereits vor dem ersten Pfiff.
