Caster semenya mobilisiert athletinnen gegen ioc-geschlechtertest

Caster Semenya schlägt zurück. Die zweifache Olympiasiegerin über 800 Meter hat die neue IOC-Richtlinie zur Geschlechterprüfung beim Frauensport juristisch ins Visier genommen – und ruft andere Athletinnen zur Sammelklage auf.

„Das ergibt keinen Sinn“, sagt die 35-Jährige gegenüber Sky Sport News. „Es rettet den Frauensport nicht.“ Hintergrund: Das Internationale Olympische Komitee will künftig alle Athletinnen zu biologischen Tests zwingen, um an Frauenwettbewerben teilnehmen zu dürfen. Transfrauen sollen komplett ausgeschlossen werden.

„Ich kämpfe für die würde der frauen“

Semenya, die ihre Laufbahn beendet hat und heute als Trainerin arbeitet, sieht sich selbst als Gladiatorin in einem System, das Frauen katalogisiert statt schützt. „Ich kämpfe für die Würde der Frauen“, sagt sie. Gleichzeitig fordert sie Konkurrentinnen auf, sich freiwillig den Tests zu unterziehen – als Akt des Widerstands. „Wer sagt: ‚Ich lasse mich nicht testen, um zu beweisen, dass ich eine Frau bin‘, dem antworte ich: Genau das müssen wir tun, um diesem Unsinn ein Ende zu bereiten.“

Die Südafrikanerin kennt sich aus mit Gerichtssälen. Jahrelang stritt sie gegen die Testosteronregeln des Leichtathletik-Weltverbandes, bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. „Es gibt keinen Respekt gegenüber Frauen“, sagt sie. „Sobald man ein Mädchen zwingt, sich testen zu lassen, um Sport treiben zu dürfen, ist das keine Würde mehr – das ist Demütigung.“

Die debatte entzündet sich an khelif und yu-ting

Die debatte entzündet sich an khelif und yu-ting

Auslöser für die neue IOC-Richtlinie ist der Wirbel um das Boxturnier von Paris 2024. Imane Khelif und Lin Yu-ting wurden von der WM ausgeschlossen – wegen eines undurchsichtigen Geschlechtertests. Bei den Olympischen Spielen durften sie starten – und gewannen Gold. Das Bild der Siegerinnen auf dem Podest wurde zur Zerreißprobe für den Sport.

Nun also die Kehrtwende: Das IOC, einst um Inklusion bemüht, schottet ab. Präsidentin Kirsty Coventry ließ eine Arbeitsgruppe einsetzen – „zum Schutz der Frauenkategorie“. Das Ergebnis: ein Prüfregime, das Semenya als „Angriff auf die Identität“ begreift.

Für sie ist klar: „Wenn wir jetzt nicht aufstehen, wird bald jede Athletin ein Gutachten brauchen, um starten zu dürfen.“ Sie wirft den Verbänden vor, mit Scheinsicherheit die falschen Feinde zu bekämpfen. „Der Sport braucht keine Kontrolleure, er braucht Vernunft.“

Die nächste Runde beginnt nicht auf der Bahn, sondern vor Gericht. Semenyas Kampf ist noch nicht vorbei – er hat erst begonnen.