Carlsen zieht selfie und schaltet die schiedsrichter ein – skandal in karlsruhe
Magnus Carlsen lächelt, drückt auf den Auslöser, dann winkt er den Schiedsrichter: Sekundenbruchteil später steht Alua Nurman ohne Handy da und der Netz-Sturm gegen den Weltmeister rollt. Die Szene spielte sich am Donnerstag in der Kongresshalle Karlsruhe ab, wo der norwegische Schachstar zum ersten Mal seit drei Jahren wieder das Grenke Chess Festival besucht – und prompt für eine Kontroverse sorgt, die weit über die 64 Felder hinausgeht.
Die fide-regel, die alles auslöste
Gerade hatte Carlsen Platz genommen, da bat die 18-jährige Kasachin um ein Erinnerungsfoto. Er willigte ein, sie schoss, postete das Bild sofort auf Instagram – und Carlsen wandte sich um, um die Turnierleitung zu informieren. Die Konsequenz: Handys sind während der Partie verboten, das Gerät wurde beschlagnahmt. Hätte Nurman gewonnen und es wäre später bei ihr entdeckt worden, wäre die Partie annulliert und sie aus dem Turnier geflogen. „Komisch, aber fair“, kommentierte die Nummer zwei des kasachischen Frauenrankings die Erfahrung.
Die Reaktionen im Netz waren weniger gelassen. „Petze“ und „unsportlich“ trendeten parallel zu Carlsens Namen. Dabei war seine Anzeige exakt nach Regelwerk: FIDE-Artikel 11.3.1 verbietet elektronische Geräte in der Spielzone. Die Grenke-Organisatoren verschärfen das zusätzlich durch Metallscanner am Eingang. Carlsen selbst schwieg zu dem Vorfall, konzentrierte sich stattdessen aufs Brett und schlug Nurman in 28 Zügen.

3.500 Teilnehmer, ein einzes selfie – und die angst vor motoren im kopf
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf das Dilemma des modernen Schachs. Mit 3.500 angemeldeten Spielern ist Grenke das größte Open der Welt, doch die eigentliche Achterbahn spielt sich online ab. Zuschauer diskutieren auf Twitch, Engines werten Partien in Echtzeit aus, und selbst Amateure schummeln mit Handys in der Toilette. Die Folge: ein Klima des Misstrauens, in dem selbst ein Selfie als Spionageverdacht gilt.
Turnierdirektor Sven Nierich verteidigte Carlsens Vorgehen: „Wer die Regel kennt, muss sie durchsetzen. Wir danken Magnus für die Zurückhaltung.“ Tatsächlich hätte ein späterer Fund des Telefons weitreichendere Konsequenzen nach sich gezogen – für beide Spieler. Carlsen riskierte einen Imageschaden, Nurman eine Sperre. Letztlich bewahrte seine Meldung beide vor einem noch größeren Debakel.
Am Brett selbst blieb die Kasachin trotz Handicap kompromisslos. Sie opferte einen Bauern, erzwang Komplikationen und stand nach 20 Zügen sogar leicht besser. Doch Carlsen nutzte seine Erfahrung, schaltete auf Endspiel-Modus und konvertierte den Mehrbauern kalt. Nach der Partie gab es keine Schuldzuweisungen, nur ein zweites Selfie – diesmal mit Schiedsrichter und beschlagnahmtem Handy im Hintergrund. Die Botschaft: Im Schach zählt letztlich nur die Wahrheit auf dem Brett, egal wie viele Filter das Foto hat.
