Capello brüllt nach italiens k.o.: „das ist eine sportliche tragödie“

Fabio Capello hat nicht geschlafen. Stattdessen sitzt der 78-jährige Stratege in seinem Haus in Madrid, starrt aufs Handy und kann es nicht fassen: Italien fliegt raus – wieder. „Drittes Mal in Folge keine WM. Für unsere Azzurri ist das eine Schande, nichts anderes“, schleudert er der Sportzeitung Marca entgegen.

„Niemand tritt zurück – das ist das perfide“

Capello redet sich in Rage. Weltmeister von 1934, 1938, 1982, 2006 – und jetzt? Zuschauer. „Wir sind Tricampeoni, verdammt! Diese Titel schützen nicht vor Demütigung, wenn die Struktur verrottet.“ Sein Hauptvorwurf: Fehlende Konsequenz. „Der Präsident der FIGC und sein kompletter Vorstand müssten sofort die Konsequenzen ziehen. Tut keiner. Daran erkennst du, wie tief wir gesunken sind.“

Der ehemalige Real- und Milan-Coach fordert eine Task-Force aus Ex-Spielern, Ökonomen und Sportwissenschaftlern, die den italienischen Fußball von Grund auf neu berechnet. „Kein Quick-Fix, kein neuer Trainer allein reicht. Das Problem sitzt in der Infrastruktur, in der Talentschule, in den Klubstrukturen. Wir investieren Millionen in Transfer-Gehaläts-Spiralen, vernachlässigen aber die 12-jährigen von morgen.“

Ein ganzer nation steht auf dem rasen und weint

Ein ganzer nation steht auf dem rasen und weint

Capello kennt die Statistik: Seit 1958 hat Italien nur einmal länger auf eine WM-Endrunde verzichtet – damals war er selbst noch Spieler. „Die Zahlen lügen nicht. 2018 war ein Warnschuss, 2022 ein Kollaps, 2026 droht die Bedeutungslosigkeit. Und trotzdem läuft alles wie gehabt.“

Die Emotion packt ihn beim Kragen. „Gestern Abend ist ein ganzer Fußball-Vaterlands-Romantik-Traum erneut geplatzt. Ich habe Leute gesehen, die in den Stadien stehen und einfach nur heulen. Das ist kein Sport mehr, das ist Identitätsverlust.“

Doch selbst in der Dunkelheit sucht er einen Funke. „Vielleicht ist dieses dritte Desaster der finale Weckruf. Vielleicht zwingt es uns endlich, die egoistischen kleinen Königreiche in Serie A und der Politik zu stürzen und gemeinsam neu anzufangen.“

Capello beendet das Gespräch mit einem Satz, der zwischen Verzweiflung und Kampfansage schwankt: „Italien trägt Trauerflor. Aber Trauerflor darf keine Dauerlösung sein. Wer jetzt nicht auftaucht, um das Ruder herumzureißen, hat dieses Land nie wirklich geliebt.“