Canale 5 schickt „die kraft einer frau“ in die sonntagsoffensive

Seit diesem Wochenende rückt der türkische Frauenpower-Kracher auf Mittags-Speed: Sonntag, 15.15 Uhr, liegt plötzlich ein freies 45-Minuten-Fenster – und Canale 5 stopft es mit Ceyda, Bahar und Bersan. Wer jetzt denkt, das sei nur Flickwerk, unterschätzt die Quotenstrategie. Amici ist Geschichte, Beautiful läuft seit dreißig Jahren im Kreis, Forbidden Fruit schmilzt – da kommt frisches Fleisch ins Spiel.

Warum der sender die türkischen heldinnen doppelt befeuert

Warum der sender die türkischen heldinnen doppelt befeuert

Die Antwort ist so einfach wie gnadenlos: Die dritte und finale Staffel tickt ab, aber die täglichen Kurzfolgen strecken die Lebensdauer. Statt zwei, bald drei Ausstrahlungen pro Tag – das verballert Inhalt, schont aber das Budget. Produziert wird nichts Neues, gekauft auch nicht. Stattdessen wird aus dem vorhandenen Material ein Hochgeschwindigkeits-Drama gezimmert.

Die Geschichte selbst kocht hoch: Cem wollte die drei Frauen als Drogenkuriere, die Polizei durchkreuzte den Deal. Jetzt verlangt der Gangster 4000 türkische Lira – ein Vermögen für die Freundinnen. Ceyda landet beim Einbruch bei Fazilet, wird von Raif ertappt, Bahar schreibt der Gegnerin prompt die Memoiren. Enver plaudert mit seiner toten Frau Hatice, Enklin Tochter Nisan schluckt Panik. Klischee? Klar. Funktioniert? Offenbar.

Die Einschaltquoten der Vorwochen lagen laut Auditel bei durchschnittlich 1,2 Millionen Zuschauer – ein solides Mittelfeld, das Mediaset retten kann, wenn sonntags sonst nur Wiederholungen laufen. Die türkische Serie liefert Emotionen, die italienische Konkurrenz liefert Kostüme. Im Fernsehen zählt, was die Leute neben dem Espresso brauchen: Tempo und Tränen.

Die letzte Folge ist für Ende April angekündigt – dann wird der Sonntag wieder frei. Bis dahin lautet die Devise: so viele Rückblicke, Vorausblicke und Cliffhanger wie möglich. Canale 5 setzt auf Quantität statt Qualität, und das Publikum schaut trotzdem. Weil es sonntags eben nichts Besseres gibt – oder weil genau das die beste Beschäftigung ist.