Caf kippt afrika-cup-finale: senegal zwei monate später disqualifiziert, titel geht an marokko
Die Football-Association Afrika (Caf) hat die Geschichtsbücher umgeschrieben. Zwei Monate nach dem 1:0-Sieg des Senegal im Endspiel der Afrika-Cup-Ausgabe 2025 erklärte das Berufungskomitee die Partie für annulliert und wertete sie mit 3:0 für Marokko. Konsequenz: Der Pokal wandert nachträglich nach Rabat, nicht nach Dakar.
Der hintergrund: boykott nach umstrittenem elfmeter
Die Katastrophe nahm ihren Lauf in der Nachspielzeit des Finales in Casablanca. Schiedsrichter Ahmed Al-Kaf zeigte auf den Punkt – ein Zweifelshaftes Foul an einem marokkanischen Flügelspieler. Die senegalesische Mannschaft verweigerte die weitere Teilnahme, verließ demonstrativ den Rasen und kehrte nicht mehr zurück. Die Disziplinarkommission lehnte daraufhin das offizielle Protestschreiben der Marokkaner ab, das Spielstand wurde bestehen gelassen.
Das Berufungsgremium zog nun eine andere Linie. In seiner am Dienstagabend veröffentlichten Entscheidung führt es den Rückzug der Senegal-Elf als „Verweigerung des Spielbetriebs“ im Sinne von Artikel 84 des Afcon-Reglements aus. Die Sanktion: Walk-over, 3:0-Auswärtssieg für den Gegner, vorzeitige Beendigung des Wettbewerbs.

Senegals verband will vor internationalen sportgericht ziehen
Die Reaktion aus Dakar kam postwendend. Verbandspräsident Augustin Senghor kündigte an, das Urteil vor das Court of Arbitration for Sport (CAS) in Lausanne zu tragen: „Wir werden unsere Rechte wahren. Die Entscheidung ist politisch motiviert und entbehrt jeder sportlogik.“ Die Spieler um Kapitän Kalidou Koulibaly schwiegen bislang, auf Social-Media-Kanälen kursiert jedoch das Hashtag #JusticePourLesLions.
Marokko seinerseits feiert den ersten Afcon-Titel seit 1976 – auf dem Papier. Sportminister Chakib Benmoussa sprach von „einem Sieg für Fairness und Regelkonsens“, doch selbst in Casablanca wirkt die Freude verhalten. Die Trophäe wurde bislang nicht öffentlich ausgestellt, offiziell ist sie noch im Caf-Hauptquartier in Kairo eingelagert.

Die brisanz: afcon verliert glaubwürdigkeit
Die Affäre wirft ein schlechtes Licht auf den gesamten Wettbewerb. Sponsoren wie TotalEnergies und Ecobank reagierten zurückhaltend, obwohl die Verträge bis 2027 laufen. Experten warnen vor Image-Schaden. „Ein Finale, das nachträglich umgewertet wird, ist ein Novum auf Kontinental-Ebene“, sagt der Kameruner Sportrechtler Prof. Maurice Dikoum. „Die Caf riskiert, sich selbst zu diskreditieren.“
Für den Afrika-Cup 2027, den Kamerun und Gabun ausrichten wollen, dürften die Nachwirkungen spürbar sein. TV-Rechte-Verhandlungen laufen bereits, und Analysten rechnen mit Rabatten von bis zu 15 Prozent, sollte das Vertrauen der Zuschauer weiter sinken. Die Caf selbst kündigte ein „Task-Force-Programm für Transparenz“ an – ein Lippenbekenntnis, solange das Regelwerk willkürlich ausgelegt wird.
Fakt ist: Der Pokal steht nun in den Akten als Sieg Marokkos, doch die Debatte über Fairness und politische Einflussnahme wird die nächste Afcon-Qualifikationsrunde überschatten. Wer danach noch an die Unabhängigkeit des Verbandes glaubt, gehört längst zur Minderheit.
