Bvb-offensive: stuttgart-sieg kaschiert bittere realität

Borussia Dortmund hat sich gestern Abend in Stuttgart einen denkbar knappen Sieg erkämpft – ein Resultat, das jedoch mehr Fragen aufwirft als es Antworten liefert. Während die Fans den späten Treffer von Karim Adeyemi bejubelten, blieb der Eindruck eines glücklichen, aber keineswegs überzeugenden Auftritts hängen. Niko Kovac kann sich vorerst auf die Nebengeräusche konzentrieren, doch die eigentlichen Probleme des BVB liegen tiefgreifend und ungelöst da.

Die dortmunder offensive: eine millionärs-pleite im angriff

Die Zahlen sind erschreckend. Bis zur 94. Minute – dem Zeitpunkt des entscheidenden Tores – hatte der BVB lediglich einen einzigen Torschuss auf das Tor von Alexander Nübel abgegeben! Ein Einwurf von Nico Schlotterbeck in die Arme des VfB-Keepers stellte den einzigen weiteren Abschluss dar. Nur 33 Prozent Ballbesitz, in der ersten Hälfte sogar nur 28 Prozent – das sind erschütternde Werte für einen Verein mit den Ansprüchen des BVB. Ideen nach vorne? Fehlanzeige. Biss? Ebenfalls nicht zu sehen. Der BVB war dem Negativrekord unter Kovac bedrohlich nahe.

Es ist das alte Lied der Saison: Eine Offensive, die bestenfalls lethargisch, oft schlichtweg nicht existent wirkt. Die Dominanz, die man sich unter anderem Umständen wünschen würde, fehlte komplett. Stattdessen präsentierte sich eine Mannschaft, die zu großen Teilen hilflos wirkte und dem VfB das Spiel diktieren ließ. Die Tatsache, dass beide Treffer, das Tor von Adeyemi und der Ausgleichstreffer von Julian Brandt, sowie die Vorlagen von Brandt und Fabio Silva von der Bank kamen, wirft ein grelles Licht auf die Leistungen der etablierten Spieler.

Kovac

Kovac' pragmatischer ansatz – reicht das?

Niko Kovac mag das wenig stören. Er ist ein Mann pragmatischer Lösungen, und solange der Punktestamm hält, werden seine Methoden toleriert. „Es war ein erkämpfter Sieg, kein erspielter Sieg“, räumte er ein, und sprach von einem gewissen „Glück“. Doch auch er dürfte wissen, dass dieser Sieg nur ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde ist. Die Champions-League-Qualifikation ist zwar so gut wie sicher, aber der Weg dahin ist beschämend.

Ole Book, der neue Sportdirektor, wird am Samstagabend genau hingesehen haben. Er steht für einen offensiven, attraktiven Fußball – ein Stil, der in Dortmund seit einiger Zeit vermisst wird. Die Kaderanpassungen im Sommer werden unumgänglich sein, wenn der BVB seine Ansprüche wirklich erfüllen will. Der Druck auf Book wird enorm sein, denn die Fans fordern mehr als nur ein Gewinnen um jeden Preis. Sie wollen Unterhaltung, sie wollen Leidenschaft, sie wollen einen BVB, der mehr als nur einen glücklichen Sieg in Stuttgart feiert.

Die Wahrheit ist: Borussia Dortmund hat sich in Stuttgart nicht von ihrer besten Seite gezeigt. Die Diskussionen um Schlotterbecks Vertragsverlängerung und Adeyemis Provokationen lenken von der eigentlichen Misere ab: Ein Team ohne Spielidee, ohne Biss, ohne Leidenschaft – ein Team, das sich auf ein Wunder verlassen darf, um in der kommenden Saison wirklich erfolgreich zu sein. Und Wunder geschehen selten.