Bvb-frauen zerreißen den favoriten: kantersieg gegen ftc ist mehr als ein statement

14:00 Uhr in Hamm, 60 Minuten später steht die Westpress-Arena in Trümmern – zumindest für FTC-Rail Cargo Hungaria. Borussia Dortmunds Handball-Frauen feiern im Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel einen 32:26-Kantersieg und katapultieren sich auf die Pole-Position für den Viertelfinal-Einzug. Die Ungarinnen, eigentlich Titelfavorit, wirken nach dem Schlusspfiff wie gerädert.

Emily vogel schlägt zurück – aber dortmund trifft härter

Deutsche Nationalspielerin Emily Vogel landet ihre 67. CL-Treffer-Saison, doch ihre ehemaligen Bundes-Kolleginnen machen daraich kurzen Prozess. Linksaußen Alina Grijseels trifft achtmal, Kreisläuferin Lisa Antl wirbelt mit sieben Toren und einer Kampfquote von 80 % durch die gegnerische Abwehr. „Wir haben nichts zu verlieren gehabt – und das haben wir heute auf dem Feld gelebt“, sagt Antl, noch komplett durchpustet, aber mit einem Grinsen, das sich nicht mehr wegwischen lässt.

Die Zahlen sind gnadenlos: 18 Ballverluste der Ungarinnen, nur 48 % Trefferquote aus dem Rückraum, dagegen ein BVB, der selbst in Unterzahl mit zwei Minuten Doppelstrafe die Klinke noch weiter nach vorne drückt. Die Gruppenphase-Platzierung (BVB Sechster, FTC Dritter) spielt plötzlich keine Rolle mehr – es zählt nur noch der Moment.

Henk groener dreht an der schmerzgrenze

Henk groener dreht an der schmerzgrenze

Trainer Henk Groener hatte nach dem 3:30-Uhr-Heimflug aus Göppingen nur 36 Stunden Regeneration eingeplant. Seine Lösung: kein Feldtraining, dafür Video, Ergometer, Eisbad. „Wir haben die Müdigkeit in Aggression umgebaut“, lacht der Niederländer. Der Plan aufgeht. FTC-Coach Jesper Jensen stapft schon zehn Minuten vor Ende wutentbrannt zur Bank, als seine Sieben die vierte 2-Minuten-Strafe kassiert.

Die personelle Lage bleibt prekär. Lois Abbingh, Lena Hausherr und Lara Müller fehlen weiterhin, doch Alieke van Maurik meldet sich nach ihrer Kopfplatz-Woche mit einer Leistung zurück, die man besser als „Rückkehr mit Ansage“ beschreibt: fünf Tore, zwei Assists, 100 % Siebenmeter-Quote. „Ich habe heute Morgen beim Aufwachen gedacht: Entweder jetzt oder nie“, sagt die Niederländerin und tippt sich an die Stirn. „Die Schmerzen sind weg, der Knoten auch.“

Rückspiel in budapest: jetzt erst recht

Rückspiel in budapest: jetzt erst recht

Am kommenden Sonntag steht die Reise in den MVM-Dome an, wo FTC normalerweise nur selten verliert. Doch die 26 Gegentore im Hinspiel sind die höchste Heimschlappe der Ungarinnen seit 2019. Für Borussia reicht bereits ein sieben Tore schlechterer Verlust, um den Traum vom Final4 am eigenen Sofa am Leben zu halten. „Wir fahren nicht zum Schaulaufen“, betont Groener. „Wir fahren, um zu gewinnen.“

Die Karten für das Rückspiel sind bereits restlos ausverkauft – 12.000 Plätze, alles Ferencvaros-Grün. Doch das ist ein anderes Problem. Im Moment zählt nur eins: Der BVB hat sich in der elitären Runde der besten zwölf Clubs nicht nur eingereiht, sondern lautstark angekündigt, dass er hier nicht nur Gast ist. Wer jetzt noch von der Außenseiterrolle spricht, hat das Hinspiel verpasst.