Buxtehuder sv sichert sich trotz kreuzband-drama: fasold und kroepel bleiben
Der Buxtehuder SV handelt, bevor die Gerüchteküche überhaupt aufdreht. Torhüterin Sophie Fasold und Kreisläuferin Larissa Kroepel verlängern blind – obwohl beide seit September dieselbe Kreuzbandruptur in den Akten stehen haben. Zwei Tage Abstand, zwei komplett ausfallende Leistungsträgerinnen, ein Jahr Verdacht auf Leerlauf. Der Verein unterschreibt trotzdem.
„Wir schauen nicht auf den Kalender, wir schauen auf den Charakter“, sagt Manager Peter Prior. Seine Rechnung: Wer nach so einem Schicksalsschlagnoch mit voller Energie in die Reha geht, wird auch mit gerissenem Band zurückkommen. Die Mediziner nennen das „psychologisches Framing“ – in Pelkum nennen sie es einfach Vertrauen.
Die zeitlinie, die alle pläne sprengte
7. September: Fasold rutscht im Training aus, MRI zeigt den Riss. 9. September: Kroepel dreht sich im Spiel um die eigene Achse – derselbe Bänderschreck. Zwei Tage, zwei Kreuzbänder, ein ganzer Kader erschüttert. Trainer Sascha Werling musste neu planen, die Abwehr umstellen, die Torhüterrotation komplett umbauen. Nun gibt es Planungssicherheit bis 2025, mindestens.
Fasold kann laut Ärzten „eventuell“ schon zum Vorbereitungsstart wieder voll zwischen den Pfosten stehen. Bei Kroepel dauert es länger – wie lange, verrät niemand. Prior nennt nur ein Stichwort: „Individuell.“ Gemeint ist: Wir warten, bis sie wirklich belastungsfrei aufstehen kann, nicht bis irgendwo ein Datum steht.

Warum das risiko trotzdem gering ist
Fasold ist 28, Kroepel 24 – beide im besten Handballerinnen-Alter, beide vor der Verletzung gesetzt wie Beton. Der BSV zahlt keine Ablöse, keine Transferprämie, nur Gehalt. Und das ist in der 1. Bundesliga Frauen längst kein Millionengrab. Die Leistungsdiagnostik der letzten Jahre zeigt: Rekonvaleszenz nach reinem Bandriss ohne Meniskus- oder Kapselschaden endet in 87 % der Fälle mit vorheriger Leistungsstufe. Die Quote steigt, wenn der Verein Druck rausnimmt – genau das tut Pelkum.
„Ich habe nicht einmal nachverhandelt“, sagt Fasold. Für sie war klar: Wer nach der Ruptur noch einmal ins Tor will, braucht Stabilität, keine Stundenlohnverhandlung. Kroepel schwärmt vom „Heimatverein“, der „Rückendeckung“ und der „Hölle Nord“ – der Block 5 der Sporthalle, in dem sich die Fangruppe versammelt. Dort will sie wieder stehen, wenn es gegen BVB oder Thüringer HC brennt.

Signal an die liga
Mit diesen Verlängerungen sendet der BSV ein Signal in die Liga: Wir halten zusammen, statt uns auf dem Transfermarkt zu verzocken. Während andere Klubs auf Leihgeschäfte und Kurzzeitverträge setzen, bauen die Niedersachsen auf Kontinuität. Das könnte sich auszahlen: Die neue Saison bringt die Einführung der Videoschiedsrichter, längere Nachspielzeiten und mehr Doppelbelastung durch den erweiterten DHB-Pokal. Teams mit durchgeplantem Kader haben da einen Erfahrungsvorteil.
Die Fans jedenfalls jubeln schon jetzt. Auf Instagram postete die Hölle Nord ein Foto von beiden Spielerinnen in Reha-Trainingskleidung, dazu das Wort „Zusammenhalt“ in Großbuchstaben. Innerhalb von drei Stunden über 1.200 Likes – Rekord für den Account. Die Botschaft ist klar: Verletzt oder nicht, Fasold und Kroepel sind keine Ausfallersatznummern, sondern Teil der DNA des Vereins.
Peter Prior schließt das Kapitel mit einem Satz, der so nicht im Pressetext steht: „Wer nach so einem Schicksal nicht aufgibt, wird auch nach dem Comeback nicht kneifen.“ Fakt ist: Wenn beide im Winter wieder auflaufen, ist Buxtehude nicht nur sportlich, sondern auch psychisch eine Spur robuster als die Konkurrenz. Und das kann eine Saison entscheiden – ohne großes Transferbudget, nur mit leisen Verträgen und lautem Vertrauen.
