Burmester wirft münchen den münchnern vor: köln ist schon jetzt besser

38 % sind keine Siegeszahl – und doch grinst Torsten Burmester wie ein Boxer, der weiß, dass die nächste Runde sein wird. Kurz vor der Sonntags-Auszählung des Olympia-Referendums hält der Kölner Oberbürgermeister seine Rhein-Ruhr-Bewerbung für „auf Kurs“, selbst wenn eine Kommune Nein sagt. „Dann basteln wir das Sportstättenkonzept um“, sagt er zum SID, „aber diese Gefahr sehe ich nicht.“

Warum burmester sich vor münchen nicht versteckt

Der 63-jährige SPD-Politiker zitiert frech aus dem Lehrbuch der Selbstüberzeugung: „Wir sind jetzt schon besser als München.“ Begründung: Köln lasse nicht einfach abstimmen, sondern beteilige vier Millionen Menschen in NRW an einer Frage, „die den Sport bewegt und die Zukunft der Region formt“. München hatte im Herbst 66,4 % Zustimmung gekriegt – aber nur rund eine Million Wahlberechtigte auf dem Stimmzettel.

Die Zahlenlage: 814.000 Kölnerinnen und Kölner durften per Brief entscheiden, Landesweit sind es 16 Städte und Kreise. Geht Köln baden, geht die NRW-Kampagne unter – das Olympische Dorf samt temporärem Leichtathletikstadion ist auf Kalk verbucht. Ein Nein in Düsseldorf oder Essen wäre schmerzhaft, aber kein Todesstoß. Ein Nein in der Domstadt wäre ein K.-o.

Das prozedere nach dem schlussstrich am sonntag

Das prozedere nach dem schlussstrich am sonntag

Am Sonntagabend, wenn die letzten Briefumschläge aufgeschlitzt sind, zählt nur eins: 50-plus-x in jeder beteiligten Kommune. Erreicht die Mehrheit, bleibt Rhein-Ruhr im Rennen gegen München, Hamburg und Berlin. Die Entscheidung fällt am 26. September in Baden-Baden – nicht durch das Volk, sondern durch die olympischen Verbände. Der DOSB schickt dann einen deutschen Kandidaten ans IOC, das frühestens 2027 die Spiele 2036, 2040 und 2044 vergibt.

Burmester, einst DOSB-Vorstandschef, kennt die Mechanik. Er weiß, dass die Evaluierungskommission Bürgerzustimmung zwar „wichtig“, aber nicht bindend ist. Trotzdem trommelt er weiter: „Ich strebe 40 % Beteiligung an.“ Mittwochmorgen stand er bei 38 %, Tendenz steigend. „Je höher die Beteiligung, desto robuster das Mandat“, sagt er. Dahinter steckt die Rechnung: Wer wählt, stimmt meist mit Ja.

Was köln zu bieten hat – und was es zu verlieren

Was köln zu bieten hat – und was es zu verlieren

Die Bewerbung lebt vom Versprechen, das Ruhrgebiet und das Rheinland zu einer einzigen Sport-Metropole zu verbinden. Dortmund soll handeln, Duisburg rudern, Aachen fechten, Krefeld Hockey spielen. Köln liefert das Herzstück: Athletendorf, Leichtathletik, Eröffnungsfeier. Burmester inszeniert die Stadt als „Kultur- und Sportknoten mit internationaler Wahrnehmung“. Fliegt das Konzept auf, steht die Region blamiert da. Geht es durch, könnte NRW dem München von 1972 eine 60-Jahre-laterne vor die Nase setzen.

Der Oberbürgermeister ist bereit, seine Stadt „an die Spitze der Bewegung“ zu stellen. Ob die Bürger mitziehen, entscheidet sich am Sonntag. Die Karten liegen offen – und Burmester wartet mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der schon mal Halbzeitstand laut ausruft, bevor der Schiedsrichter pfiff.