Burkardt fordert rera heraus: der mainz-krimi wird zur richtungsentscheidung
Jonathan Burkardt war schon immer ein Stürmer, der sich nicht gern wegduckt. Jetzt steht er vor dem Heimspiel in fremden Farben – und erwartet, dass Eintracht-Coach Albert Riera endlich die Frage beantwortet, die seit Wochen durch die Kabine zischt: Warum darf der beste Strafraumstürmer der Hessen gegen tiefe Blöcke nur noch einspurig auflaufen?
Am Sonntag, 18.30 Uhr, Mewa-Arena. Elf Jahre trug Burkardt das rote Trikot der Nullfünfer, elf Jahre lang galt er dort als Eigengewächs mit Handschlagqualität. Diesmal führt er die Frankfurter als Kapitän auf den Rasen – zumindest deutet alles darauf hin, dass Riera dem 25-Jährigen den Armband geben wird, sollte Robin Koch weiterhin gesperrt fehlt. Die Symbolik ist nicht zu überhören: Der Heimkehrer soll dem Tabellenzweiten den nächsten Schritt Richtung ChampionsLeague ermöglichen.
Götze wartet auf den großen auftritt
Mario Götze kennt dieses Kalkül. Dreimal saß der Weltmeister in den letzten vier Partien nur auf der Bank – ein Novum seit seiner Ankunft 2022. „Engmaschige Deckungen sind sein natürliches Habitat“, sagt ein Betreuer, „aber Albert wollte Tempo von außen.“ Gegen Heidenheim funktionierte das nur dank eines individuellen Moments von Arnaud Kalimuendo. Gegen Mainz wird es auf Durchschlagskraft ankommen. Götze liefert sie, wenn er darf.
Die internen Gespräche laufen auf Hochtouren. Riera spricht von „Match-up-Optimierung“, die Spieler nennen es schlicht: Wer passt wann? Kalimuendo links, Burkardt zentral, Götze als falsche Neun – das wäre die variantenreichste Lösung. Doch damit würde Riera sein bisheriges Dogma aufbrechen, wonach nur einer der beiden Profil-Stürmer gleichzeitig startet. Ein Risiko, das sich der Katalane in der engen Meisterschaftsphase nicht verbitten kann.

Defense light – noch stabiler als erwartet
Die personelle Schieflage in der Abwehr wäre vor zwei Monaten als Katastrophe betitelt worden. Jetzt? Nathaniel Brown attackiert links mit der Lässigkeit eines Flügelstürmers, Aurèle Amenda verteidigt mit 19 Jahren wie ein Routinier. Nnamdi Collins wirkt nach wie vor, als würde er jeden Sprint einzeln abrechnen – aber er bleibt trotzdem drin, weil sein Timing in der Luft Riera überzeugt. „Wir verteidigen als Kollektiv“, sagt der Coach, „nicht als Namen auf dem Papier.“
Elias Baum könnte rechts debütieren, sollte Skhiri ins Zentrum rücken. Die Alternative: Skhiri bleibt im defensiven Mittelfeld, Collins rutscht raumorientiert nach rechts. Entscheidend ist die Kommunikation – und die funktioniert inzwischen selbst dann, wenn Koch, Theate und Kristensen zusammen fehlen. Verletzungspech als Katalysator für neue Lösungen.
Die Zahlen sprechen für Riera: Drei Gegentore in den letzten fünf Spielen, trotz personeller Not. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines Trainingsprogramms, das auf räumliches Umschaltverhalten setzt. Mainz wird probieren, mit schnellen Gegenstößen diese Achse zu sprengen. Burkardt kennt die Codes – und wird sie mit nach vorne tragen.
Am Ende bleibt eine simple Rechnung: Wer am Sonntag gewinnt, behält den Anschluss an die Spitze. Burkardt gegen seine Vergangenheit, Götze gegen die Reservistenrolle, Riera gegen das eigene Dogma. Die Mewa-A Arena wird pfeifen, jubeln, vielleicht auch weinen. Die Eintracht reist mit dem Anspruch, nicht nur drei Punkte mitzunehmen, sondern auch eine Frage der Identität zu beantworten: Wie viel Mut verträgt eine Mannschaft, die alles gewinnen will? Die Antwort kommt um 20.30 Uhr – und sie wird laut sein.
