Innenminister zählen auf: fußball soll milliarden für polizei zahlen

Der deutsche Profifußball steht vor der nächsten Rechnung – und diesmal kommt sie nicht vom Finanzamt, sondern von den Innenministern. Herbert Reul (NRW) und Armin Schuster (Sachsen) drohen den Klubs mit der Umlegung von Polizeikosten, sollte der Sport seine Hausaufgaben bei der Gewaltprävention weiter verweigern. Die Drohung ist kein Bluff: Nach dem Bundesverfassungsgerichts-Urteil von 2025 dürfen Länder Großveranstaltungen künftig zur Kasse bitten – und die Politik nimmt dieses Instrument jetzt aus der Tasche.

„Logische konsequenz“ statt leere worte

Schuster nennt es keine Drohung, sondern eine „logische Konsequenz“. Dahinter steckt der Frust über Pyro-Fans, Randaleclans und die wachsende Zahl an Ermittlungsverfahren. Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache: Im Saisonvergleich 2024/25 sanken die eingeleiteten Verfahren zwar auf 4.700, doch die Einsätze wegen Pyrotechnik kletterten auf ein Rekordhoch. Die Politik will endlich Zahlen sehen – und zwar auf den Rechnungen der Vereine.

DFB und DFL reagieren mit einer Notfall-Videokonferenz am Mittwoch, um die Lage zu entschärfen. Doch die Fronten sind verhärtet: Philipp Türoff, Geschäftsführer des 1. FC Köln, warnt vor dem „Gießkannenprinzip“ und fordert statt Pauschal-Forderungen ein konkretes Sicherheitskonzept. Auch Alexander Wehrle vom VfB Stuttgart schickte einen Brandbrief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf: Die finale Entscheidung über Stadionverbote müsse bei den lokalen Kommissionen bleiben, sonst drohe ein Flickenteppich aus Regeln ohne Durchsetzungskraft.

Der countdown läuft bis juni

Der countdown läuft bis juni

Die nächste Innenministerkonferenz im Juni ist zum Stichtag erklärt. Reul klingt bereits wie ein Lehrer, der die Hausaufgaben kontrolliert: „Wir stehen im Grunde wieder bei null.“ Sollte sich bis dahin keine neue DFB-Stadionverbotsrichtlinie finden, könnte der Spielplan der Saison 2026/27 unter neuen Auflagen stehen – mit teuren Folgen für die Klubs. Die Drohkulisse ist real: Schon jetzt kostet ein durchschnittlicher Bundesliga-Spieltag die öffentliche Hand rund zwei Millionen Euro an Polizei-Einsatzkräften.

Die Fanszene sieht sich als Sündenbock. Fanbündnisse fürchten eine „Paralleljustiz“, weil Stadionverbote weiterhin ohne Gerichtsverfahren ausgesprochen werden können. Die Politik dagegen sieht in den Verboten das einzige Mittel, um wiederkehrende Störer präventiv fernzuhalten. Die Debatte spaltet nicht nur die Lager, sondern auch die Länder: Während Reul und Schuster den Hammer schwingen, hält Niedersachsens Ministerin Daniela Behrens die Fan-Szene in der Pflicht: „Sie haben ein Problem in ihren eigenen Reihen, und das müssen sie klären.“

Für den DFB bleibt nur ein Spagat: Er muss die Sicherheit erhöhen, ohne die Fangemeinde zu verlieren – und das bei leeren Kassen, weil die Klubs nach der Pandemie noch mit Schulden kämpfen. Die Uhr tickt. Wer bis Juni keine Lösung präsentiert, bekommt die Rechnung – und die ist nicht nur eine Geldfrage, sondern eine Frage der Glaubwürdigkeit des gesamten Organisierten Fußballs.