Bulls trennen sich von donovan – neuanfang ohne saison-plan
Die Chicago Bulls ziehen die Notbremse. Nach sechs durchwachsenen Jahren trennen sich die einst glorreichen NBA-Champs von Headcoach Billy Donovan – und das, obwohl der 60-Jährige eine Vertragsoption für 2026/27 besaß.
„Gespräche mit dem eigentümer“ ließen donovan umdenken
Donovan selbst gibt den ersten Anstoß: „Nach einer Reihe tiefgehender und ausführlicher Gespräche mit dem Eigentümer habe ich entschieden, mich zurückzuziehen“, sagte er am Dienstag. Bulls-Boss Jerry Reinsdorf kontert, es habe „außer Frage gestanden“, mit dem Coach weiterzuarbeiten. Ein klassisches Mutual Consent – nur mit deutlichem Beigeschmack.
Seit 2020 stand Donovan an der Linie, doch die Bilanz bleibt dünn: nur ein Playoff-Auftritt 2022, 1:4 gegen Milwaukee, danach wieder Mittelmaß. In der gerade abgelaufenen Saison landeten die Bulls Platz zwölf im Osten, acht Spiele hinter dem Play-in-Rang. Das reicht nicht mal für die Vorschlussrunde, geschweige denn für echtes Klima in der United Center.

Neubau statt quick-fix – front office unter zugzwang
Die Front Office um GM Artūras Karnišovas muss nun einen Coach finden, der ein junges, talentiertes aber inkohärentes Roster formt. Zach LaVine ist handelbar, Nikola Vučević altert, die Defensiv-Identität fehlt komplett. Die nächste Draft-Lottery rückt näher, doch ohne klare System-Vision wird auch ein Top-Pick nur ein Pflaster auf einem offenen Dach.
Die Fans erinnern sich an die sechs Ringe zwischen 1991 und 1998, doch seit Michael Jordan’s Abgang 1998 wartet die Franchise auf den nächsten Finals-Tanz. Mit Donovan beendeten die Bulls nun das sechste Rebuild-Kapitel – und blasen zum siebten Anlauf. Die Uhr tickt, denn in der Eastern Conference schlafen Boston, New York und Co. nicht.
Die Trennung ist kein Eklat, aber ein Einschnitt. Chicago sucht nicht nur einen Trainer, sondern eine neue Erzählung. Die Jordan-Ära wird man so schnell nicht wiederholen – doch ohne klare Richtung bleibt sie das letzte große Kapitel in einem Buch, das seit 26 Jahren auf die nächste Überschrift wartet.
