Bulls trennen sich von donovan – endpunkt nach sechs enttäuschenden jahren
Die Chicago Bulls ziehen die Reißleine. Nach sechs Jahren ohne echte Perspektive trennt sich das NBA-Urgestein von Headcoach Billy Donovan – und das, obwohl sein Vertrag eigentlich noch eine Option für die kommende Saison barg. Die Entscheidung fiel nach einem Gespräch mit Besitzer Jerry Reinsdorf, wie das Team am Dienstag mitteilte.
Donovan zieht sich zurück – bulls starten durch
„Nach intensiven Gesprächen mit dem Eigentümer habe ich mich dazu entschieden, als Headcoach zurückzutreten“, erklärte Donovan selbst. Reinsdorf betonte, die Franchise habe ursprünglich „keinen Zweifel“ daran gehabt, mit dem 60-Jährigen weiterzuarbeiten. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In sechs Jahren gelang nur ein einziger Playoff-Einzug – 2022, damals 1:4 gegen Milwaukee in Runde eins. Danach ging’s steil bergab.
Die laufende Saison war ein Tiefpunkt: Platz zwölf im Osten, 14 Spiele unter .500, kein Hauch von Spannung um die Play-In-Runde. Die Bulls, zwischen 1991 und 1998 noch sechsmal Champion mit Michael Jordan, stecken mitten im Umbruch. Junge Assets wie Coby White und Ayo Dosunmu brauchen eine klare sportliche Linie – und die konnte Donovan offenbar nicht mehr bieten.
Intern kursiert bereits eine kleine Liste potenzieller Nachfolger. Ganz oben: Kenny Atkinson, der in Cleveland als Assistent die Offense der Cavaliers neu erfand, sowie Charles Lee, aktuell Top-Assistent der Celtics und Shooting-Star unter den Trainer-Kandidaten. Beide stehen für modernen Spielstil, Datenanalyse und klare Kommunikation – alles Zutaten, die in Chicago zuletzt fehlten.

Neuanfang mit alten problemen
Doch der neue Coach erbt ein durcheinander gewürfeltes Kader-Puzzle. Zach LaVine’s Vertrag läuft noch drei Jahre bei über 40 Millionen Dollar pro Saison, eine Handelsblockade aus Kostengründen. Nikola Vučević wird 35, defensiv zu langsam für die heutige NBA. Und die jungen Talente? Sie brauchen Spielzeit, keine weiteren Halb-Lösungen.
Die Front Office um GM Marc Eversleysteht unter Druck. Die Fans in der United Center verlangen nicht nur Playoffs – sie wollen wieder Identität. Seit dem Jordan-Abgang 1998 wartet die Stadt auf den nächsten großen Lauf. Donovan konnte diese Erwartungen nicht erfüllen. Seine Bilanz: 272 Siege, 338 Niederlagen. Eine Quote von 44,6 Prozent, die in Chicago als Armutszeugnis gilt.
Die Trennung war daher unausweichlich – für beide Seiten. Donovan erhält eine saftige Abfindung und kann sich neuen Projekten widmen. Die Bulls aber müssen jetzt liefern: Draft 2026 rückt näher, Cap-Space ist begrenzt. Die nächste Entscheidung bestimmt, ob Chicago wieder zur Rampenlicht-Franchise aufrückt oder weiter im Mittelmaß versinkt. Die Uhr tickt laut – und die Liga wartet nicht.
